Zürich-West als Polit-Hotspot

Das Jahr 2014 brachte für das Quartier wieder politisch wichtige Entscheidungen. Das Tram-Hardbrücke war sicher eine der grösseren, die im ganzen Kanton zu reden gab.

Wir rollen das Jahr von hinten auf. 9. Februar 2014, ein Datum, das in die Geschichtsbücher der Schweiz ein geht. Das Stimmvolk hat knapp die Zuwanderungsinitiative der SVP angenommen. Danach wollten wir von den Lokalparteien mehr von ihren Kampagnenstrategien wissen. Die SVP hat damals offensichtlich etwas richtig gemacht. Reinhard Wegelin, Parteisekretär und Geschäftsführer der SVP Kanton Zürich erklärte: «Bei der Masseneinwanderungsinitiative wurde auf kantonaler Ebene vor allem der Dichtestress thematisiert, der in der Region Zürich ein wichtiges Thema darstellt. Vollgestopfte S-Bahnen sind hier am meisten zu sehen.» Man sei aber trotzdem erstaunt gewesen, dass man die Abstimmung gewonnen hatte. Die SP ging alleine, ohne Bündnisse, in die Schlacht. Man habe sich gegen ein Bündnis mit Economiesuisse und anderen entschieden, da man dem Volk keine Harmonie bezüglich Bilateralen Verträgen vorgaukeln wollte, sagt Michael Sorg von der SP. Die Partei könne nicht hinter Apfelbaum-Plakaten stehen, die die Personenfreizügigkeit unkritisch darstellen und die Herausforderungen ausblenden, und habe sich folglich für einen eigenen Auftritt entschieden.

Während sich die SP mit Apfelbäumen beschäftigte, überlegte sich die FDP, wie sie mehr Wähler auf ihre Seite ziehen könnte. «Wir haben darauf geachtet, dass wir etwas Frisches, Mutiges und Unerwartetes machen. Wir wollten bewusst eine andere Wählerschicht ansprechen», sagte uns Claudia Simon von der FDP. Deshalb habe man die Kampagne «Mehr Blau für Zürich» kreiert. «Alle reden von Farben. Links beispielsweise ist es Rot und Grün. In vielen anderen Ländern sind die Blauen die Freisinnigen und Liberalen. Das Blau ist also ein Gegenpol zu den bestehenden Farben.» Ebenfalls blau ist das Logo der EVP. Doch nicht ihre Farbe, sondern ihr Maskottchen, der gelbe Güggel gab zu reden. Dieser «schiss» nämlich auf die EVP – in einem Cartoon.

Der EVP-Cartoon

Peter Reinhart, Geschäftsführer der EVP Kanton Zürich erzählte uns im Interview, dass man ein bisschen provozieren wollte. Und das sei gelungen, «immerhin wurde im EVP Info, in allen Printmedien aber auch in Onlinemedien sowie Tele Züri und Tele Top über unseren Cartoon diskutiert», sagte Reinhart.

Das Rennen in Zürichs Exekutive

Im April ging es nicht um Parteien, sondern um deren Vertreter. Die Stadtratswahlen standen an. Neu-Anwärter auf dieses Amt waren der Grüne Markus Knauss, Samuel Dubno von der GLP, SP-Mann Raphael Golta, Vespa-Fahrer Philippo Leutenegger, SVP-Hans Fehrs Tochter Nina Fehr-Düsel und deren Parteikollegen Roland Scheck. Auf westnetz.ch stellten die Kandidaten vor und wollten wissen, was sie fürs Quartier tun können. Es war eine Überraschung als Raphael Golta die Favoritin, Gemeinderatsfraktionschefin Min Li Marti mit einer Rede aus dem Rennen warf. Wo sich Golta für seine Rede inspirieren liess, was sein freisinniger Papa über ihn denkt und wie er im bürgerlichen Kantonsrat Mehrheitern zimmerte, erklärte Golta im Videointerview.

Ebenfalls vor der Kameralinse stand Samuel Dubno. Er erklärte, wieso er sich für Bürgerrechte stark macht, wie in Spardebatten getrickst wird und wieso das Famillienunternehmen in Bulgarien Kleider produziert – und natürlich, wieso er Stadtrat werden wollte.

Mit Nina Fehr-Düsel wollte die SVP wieder mit einem Bein in den Stadtrat. Darauf setzte man auch auf die Zürich-Westlet. « Das Quartier verändert sich und zieht andere Leute an. Es findet auch dort ein gewisses Umdenken statt. Es ist wichtig, vermehrt präsent zu sein. Man soll nicht resignieren, sondern gerade wegen des Bedarfs präsent sein», sagt Fehr-Düsel im Interview. Mit ihr knadidierte auch Gemeinde- und Kantonsrat Roland Scheck, der sich keineswegs im Schatten der Fehrs sah. «Ich trete ja nicht gegen sie an, sondern gemeinsam mit ihr. Ich gehe nicht davon aus, dass sich der Stimmbürger zwischen Nina Fehr und mir entscheidet. Sondern er entscheidet sich für oder gegen beide Kandidaten. Ich profitiere von ihrer Kompetenz und das ist für mich wichtig.»

Die Verbindung über die Gleise

Im Herbst stand nach dem Tram Zürich West eine weitere Streckenerweiterung einer Tramlinie an. Der 8er sollte vom Hardplatz über die Hardbrücke geführt werden und so die Kreise 4 und 5 verbinden. Für Karin Rykart, Grüne Gemeinderätin, ist die Verbindung «ein Geschenk für die Stadtzürcher». Denn einen grossen Teil bezahlt der Kanton und der Bund. Ein sogenannter «No brainer» für Rykart: « Allein schon die Eröffnung des Toni-Areals bringt merklich mehr Leute ins Quartier. Viele wohnen nicht hier. Ein gutes ÖV-Netz ist unabdingbar.. Das braucht es in Zürich einfach.» Auch andere Politiker bezeugten ihr Ja zur neuen Tramverbindung. Die SVP war gegen das Projekt, da zu teuer und zu gefährlich. Lorenz Habicher von der SVP erklärte uns im Video-Interview, wieso genau.

Trotz einem mehrheitlichen Ja der Kanton- und Stadtparteien hätte das Tram Hardbrücke auch scheitern können. Dies zeigte das Beispiel der letzten Tram-Abstimmungen in Bern und Basel. Einer der Hauptgründe waren die Kosten. Für den Politgeografen Michael Hermann war klar, dass die Kosten zum Knackpunkt der Abstimmung in Zürich werden könnten. Die Abstimmung wurde am 30 November mit 66 Prozent angenommen.

Karte wird geladen ...

Logo Westnetz