"Wir bringen die Musikszene zusammen"

Am ersten Tag schon vollkommen ausverkauft, erfreut sich das m4music-Festival auch dieses Jahr grosser Beliebtheit. Wer steckt hinter diesem Erfolg? Wir sprachen mit dem Mann, der hier die Fäden zieht.

Vielen Dank, für das Interview, Philipp. Ihr habt heute bestimmt alle Hände voll zu tun! Aus welcher Motivation heraus engagierst Du dich Jahr für Jahr für das m4music?

Ich bin seit meinem 16. Lebensjahr in der Musikszene involviert. Am Anfang als Musiker und dann als Produzenten. Irgendwann einmal habe ich festgestellt, dass es mir viel Freude bereitet anderen zu helfen ihre Musik zu verbreiten. Beim m4music geht es genau darum. Wir fördern Musikschaffende, in dem wir ihnen Möglichkeiten bieten. Wir kreieren Plattformen, auf denen sie sich kennen lernen und vernetzen können.

Wann beginnt ihr jeweils mit den Vorbereitungen für's m4music und wie werden die Bands ausgesucht?

Die Vorarbeit beginnt gleich nach dem Festival. In einer ersten Debriefings-Phase diskutieren und analysieren wir, was gut oder auch schief lief. Das gehört dann sozusagen auch schon zu Vorbereitungsphase für das nächste Festival. Dann spaltet sich die Vorbereitung in zwei Richtungen: Einer visionären und einer analytischen. Die einen fragen sich, was wir anders machen könnten, bringen neue Ideen und die anderen überlegen sich, wie man gewisse Abläufe (Interviews, Catering, Konzeption, Realisation etc.) verbessern könnte. Natürlich gibt es auch administrative Vorbereitungen zu bewältigen, wie Verträge von Raumvermietungen, Rechnungen bezahlen und so weiter. Wir legen aber auch eine Ruhephase ein, in der wir den Betrieb etwas lahmlegen, um uns zu erholen. Die Bands werden in einem ganz normalen Bookingverfahren ausgesucht. Wir überlegen uns in welchem Verhältnis internationale und nationale Bands stehen sollen und versuchen ein Gleichgewicht zu kreieren. Gewisse schreiben wir an und hoffen auf Zusagen, andere schreiben uns an. Wir hören sie uns dann an und entscheiden, ob sie zum Festival passen oder nicht. Es spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, wie Musikgenre, Gage, Erscheinung. Das Bookingteam besteht aus verschiedenen Leuten mit verschiedenen Geschmäcker und die Entscheidungen werden in einem Kollektiv getroffen. Manchmal würde jemand gerne eine Band buchen, aber die fällt dann in der Kollektiventscheidung raus.

Letztes Jahr, war es ganz schön eng im Schiffbau. Habt ihr euch auch schon mal überlegt das m4music anderswo zu machen?

Klar, haben wir uns das überlegt. Wir werden immer populärer, was uns natürlich freut. Heute zum Beispiel sind wir komplett ausverkauft. Dennoch haben wir grossen Respekt davor grösser zu werden. Das kann nämlich in zwei Richtungen verlaufen. Entweder man entwickelt sich qualitativ oder quantitativ – in die Masse. Für Veranstalter ist es natürlich verlockend grösser zu werden, und wir denken auch darüber nach. Aber grösser werden zieht immer einen sogenannten „Ratenschwanz“ mit sich. Wenn du mehr Bands hast, brauchst du mehr Budget, mehr Partnerschaften, mehr Medienecho. Das zieht sich so hin, darum nenne ich das den „Ratenschwanz“.

Philipp Schnyder mit den Gewinner von "Best Swiss Video Clip 2015"

Wie kam die Idee zur „Demotape Clinic“?

Zu dem kamen wir, weil wir eine Plattform kreieren wollten, wo sich Musiker und Musikschaffenden vernetzen können. Als wir mit dem m4music-Festival anfingen, wollten wir vor allem die Leute in der Musikszene zusammenbringen. Synergien zwischen Alt und Jung, Erfahren und Anfänger erschaffen. Musiker sollten hier die Möglichkeiten haben, wichtige Leute in der Szene kennenzulernen und sich vorzustellen. In der Demotape Clinic kriegen aufsteigende Bands direkten Zugang zu den Professionellen, wie Labels, Produzenten und anderen wichtigen Akteuren in der Branche. Das läuft natürlich auch in die andere Richtung. Mittlerweile kommen Plattenfirmen zur Demotape Clinic, weil sie wissen, dass sie hier Neuentdeckungen machen können.

Wie wählt ihr die Themen für die „Conferences“?

Wir inspirieren uns von allgemein wichtigen Themen, welche die Musikszene momentan beschäftigen, oder Themen die uns selbst bewegen.

Wie zum Beispiel?

Das Streamen von Musik. Heute wird Musik kaum noch heruntergeladen, die meisten streamen nur. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Musikindustrie. Und diese Auswirkungen diskutieren und analysieren wir in Workshops.

Besuchen viele Leute die Workshops?

Ja die werden gut besucht. Natürlich nicht alle gleich gut, aber die Meisten schon.

Kommst Du überhaupt dazu die Konzerte zu besuchen?

Dieses Jahr auf jeden Fall! Es gab auch schon m4musics an denen ich an der Kasse stehen musste. Aber dieses Jahr werde auch ich ein paar Konzerte besuchen können.

Was hat es eigentlich mit den Masken auf sich, die ihr dieses Jahr als Emblem fürs Festival gewählt habt?

Die Masken symbolisieren für mich den Akt, des "sich entfremden", sich auf eine andere Ebene begeben. Masken sind etwas, was uns Menschen schon immer fasziniert hat, weil wir uns mit ihnen eine andere Identität verleihen. Wenn man sich nicht-maskiert eine andere Identität gibt, dann ist das eher kritisch. Mit der Maske erlaubt man sich bewusst, von sich selbst Distanz zu nehmen. So sehe ich das. Ein Künstler wird jetzt vielleicht etwas anderes dazu sagen. Aber für mich erleben wir in der Musikszene oft das gleiche Phänomen. Ein Künstler, der eine Show gibt, muss auf der Bühne nicht unbedingt sich selbst sein, sondern kann selbst bestimmen, wie viel er von sich preisgeben will. Künstleridentitäten haben insofern auch etwas mit diesem Masken-Rollenspiel zu tun.

Erzähl mal vom Verrücktesten, Lustigsten Erlebnis, das Du während eines m4music Festival erlebt hast...

Hmmm… Da fällt mir gleich das schrecklichste und irgendwie auch lustigste Erlebnis ein. Das war an meinem ersten m4music-Festival. Das Festival war damals auf mehrere, etwas weiter auseinanderliegenden Clubs verteilt. Nicht so wie heute. Wir hatten einen Shuttlebus organisiert, welcher die Besucher von Venue zu Venue fahren sollte. Es regnete aus allen Kübeln. Richtig deftig! So standen wir da und warteten, bis der Bus vorbeifahren würde, um uns zum nächsten Konzert zu bringen. Doch der kam und kam nicht. Wir waren nass bis auf die Haut und warteten einfach weiter, aber regten uns gleichzeitig tierisch auf! Wir müssen von Weitem ziemlich schräg ausgesehen haben (lacht)!

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