Whiplash

Zurecht mit drei Oscars ausgezeichnet, ist der Film Whiplash eine musikalische Wucht. Einmal einatmen und 106 Minuten lang intensive, grossartige Erzählkunst erleben. Der Film des neuen Jahres im Kino Riff Raff.

Der grosse Jazz-Schlagzeuger Buddy Rich sagte einmal: „There are only two types of music: good and bad.“ Die Aussage des Musikers bringt die Atmosphäre des aktuellen Films „Whiplash“ der bei uns im Kino Riff Raff zu sehen ist, auf den Punkt. Es ist der spürbare Druck den wir gemeinsam mit dem Musikstudenten Andrew erleben und der uns bis am Ende der Geschichte zu fesseln vermag. Was treibt den jungen Mann an, solche Höchstleistungen zu erbringen, Takt genaue Rhythmen auf dem Schlagzeug zu spielen?

Der Inhalt des Oscar prämierten Films Whiplash ist schnell erzählt: Andrew, ein talentierter 19-jähriger Schlagzeuger studiert am Shaffer Conservatory of Music in New York City. Der Leiter der Studioband Terence Fletcher, gespielt von J.K. Simmons, entdeckt den jungen Studenten und holt ihn zu sich in die Band. Der ehrgeizige Schüler durchschaut die extremen Erniedrigungen des Lehrers, um seine Musiker zu Glanzleistungen anzuspornen und lässt sich auf seine Methoden ein. Andrew verlässt seine neue Freundin, um sich auf die Musikkarriere zu konzentrieren, die sein Leben endgültig einnimmt.

Völlig zurecht hat J.K. Simmons für die Rolle des cholerischen Musiklehrers den Oscar für die beste männliche Nebenrolle gewonnen. Sowie seine Figur, erlaubt der Schauspieler sich keine mittelmässigen Auftritte im Film. Trotz Nebenrolle ist Simmons allgegenwärtig und in jeder Szene Paradebeispiel unglaublicher Schauspielkunst. Selbst während seiner Abwesenheit auf der Leinwand, fürchten wir als Zuschauer sein plötzliches Auftreten. Seine schwarze und schlichte Kleidung, die uns auf das Wesentliche seiner Figur aufmerksam macht, seinen kahl geschorenen Kopf und seine kraftvollen Arme, mit denen er auch mal eine Schlagzeugtrommel auf seinen Schüler schleudert, lösen bei uns noch mehr Angstgefühle aus.

Dieser Film ist ein Paukenschlag oder besser gesagt ein Trommelwirbel, der in einem phänomenalen Schlagzeugsolo endet. Mitgerissen von der faszinierenden Schlagzeug Darbietung des Hauptdarstellers Miles Teller, welcher in der Geschichte Blut und Wasser schwitzt. Dieses Highlight des noch jungen Filmjahres 2015 muss man gesehen haben. Es vereint in vieler Hinsicht die Perfektion von Kamera und Schauspielkunst. Die meistens nah aufgenommenen Einstellungen der Schauspieler und deren Instrumente, lassen den Zuschauer so tief in die Welt des Schlagzeugers eintauchen, dass man versucht ist dieses Instrument noch heute zu erlernen, falls man es noch nicht bereits getan hat! Besonders bemerkenswert ist auch der Schnitt des Filmes, welcher den Stress und die Hektik einer Probelektion der Jazzband unter der Führung des alleinherrschenden Terence Fletcher im rhythmischen Wechsel von schnell auf langsam übernimmt. Kein Wunder also, dass der Oscar für Best Achievement in Film Editing und Sound Mixing ebenfalls an Whiplash gehen.

Der Spielfilm greift zugleich ein absolut aktuelles Thema unserer Gesellschaft auf. Der Drang nach Perfektion und dem Irrglaube des Fehlers als Zeichen von Schwäche ist in unserem Zeitgeschehen allgegenwärtig. Der schmale Grat zwischen Genie und Wahnsinn ist alt, dennoch stellt sich die Frage: Wie weit dürfen Lehrer und Eltern ihre Kinder fordern und gibt es eine Grenze? Ist eine Zweitplatzierung wegen hundertstels Sekunden im Sport ein Ausdruck von zu wenig Training? Lohnt sich diese Aufopferung bis an den Rand der Erschöpfung und was kommt danach?

Der Schlagzeug-Spieler einer Band ist nicht nur der coole Typ im Hintergrund bei dem zeitweilens sogar die Drumsticks rumfliegen, nein er ist auch der wahre Künstler des Rhythmus; jeder Grundlage eines Songs. Whiplash schafft es die Faszination für dieses Instrument neu zu entdecken und aufzuzeigen an welche physischen und psychischen Grenzen die Musiker gehen. Gnadenlos bis zum Ende.

Whiplash, im Kino Riff Raff

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