Studis helfen Teenies

„Rock Your Life!“ hilft sozial benachteiligten Jugendlichen bei der Berufswahl. Über zwei Jahre hinweg werden Studenten zu Mentoren. Sie sollen das Selbstvertrauen der jungen Leute stärken.

Es ist nicht leicht, ein Teenie zu sein. Hohe Anforderungen in der Schule, Konformitätsdruck unter Gleichaltrigen, der Schritt ins Gymnasium oder in die Lehre. Der Druck steigt und die jungen Leute sind mit der Frage, welchen Weg sie einschlagen möchten, schlichtweg überfordert. Für Jugendliche mit sozialer oder wirtschaftlicher Benachteiligung ist es noch schwieriger, sich im Haifischbecken der Berufswelt zurechtzufinden. Hier setzt „ROCK YOUR LIFE!“ (RYL) an. So enthusiastisch wie sich der Name schreibt, sind die auch Initianten des Projektes.

Noémie an der Pfingstweidstrasse 101

Käser sucht Lehrling

Ich treffe Noémie Obrist vor der Migros an der Pfingstweidstrasse. Noémie hat dort kürzlich ein Praktikum in der Unternehmenskommunikation absolviert und ist eine der Initianten von RYL Zürich. Sie steckt voller Tatkraft. Sie ist nicht zu bremsen, wenn sie über das Vorhaben, den Standortverein in Zürich aufzubauen, spricht. Ein Businessplan ist in Arbeit. Sie hat sich gerade intensiv mit dem Sozialindex der Schulen auseinandergesetzt, um zu sehen, welche Schulen am ehesten ihre Hilfe brauchen. „Klischee-Orte sind Spreitenbach und Schlieren“, sagt sie. Ausserdem suchen sie und ihre Mitstreiter gerade Partnerunternehmen, die RYL finanziell oder durch Know-How-Transfer unterstützen. Beispielsweise durch organisierte Führungen, damit die Schüler die Betriebe kennenlernen. Die Schüler wüssten oft gar nicht, was es alles für Berufe oder Firmen gebe. Auch die Unternehmen profitierten davon. „Für Käser ist es zum Beispiel sehr schwierig, Lehrlinge zu finden“, so Noemi, „weil fast niemand weiss, dass es so was wie eine Käser-Lehre gibt!“

Teenie sucht Student

Der grosse Bruder oder die grosse Schwester

Oft seien es Kinder mit Migrationshintergrund, die Hilfe bräuchten, weil die Eltern die Sprache nicht gut sprechen und das Kind bei den Hausaufgaben nicht unterstützen könnten, meint Noemi. Auf meine Frage, ob es denn nicht bereits genug Hilfe für Jugendliche oder für Migranten gebe, schüttelt sie vehement den Kopf. Diese Form sei einzigartig. Es gebe entweder integrationsfördernde Projekte und Bildungsprojekte, aber nicht beides gleichzeitig. Und im Gegensatz zu anderen Schulen oder Nachhilfeschulen sei der Service kostenlos:„Die Studenten und die Schüler können schneller Vertrauen aufbauen, weil ihr Altersunterschied nicht so gross ist“, sagt sie. „Sie sind so etwas wie der grosse Bruder oder die grosse Schwester für die Jugendlichen.“

gegenseitiges Kennenlernen...

Rock Your Life als Ego-Boost für Jugendliche

Auf die Frage, warum sie sich für dieses Projekt engagiert, antwortet Noémie: „Im siebten und achten Schuljahr ist es den Jugendlichen selten bewusst, was sie wollen. Und sie sprechen oft negativ über sich selbst.“ RYL helfe beim Bewerbungsschreiben und die jungen Erwachsenen lernten, ihre eigenen Talente zu entdecken. Noémie selbst hat von ihren Eltern sehr viel Unterstützung bekommen. „Nur weil ich so gut unterstützt wurde, bin ich heute an diesem Ort. Das hat nicht nur mit Intelligenz zu tun. Ich hatte einfach Glück. Und das möchte ich weitergeben.“

RYL wurde 2009 in Deutschland gegründet. Seit letztem Jahr gibt es RYL auch in der Schweiz. Im Herbst 2013 startete in Bern das Pilotprojekt mit 21 Coaching-Paaren. Nun möchten Noémie und drei andere Freiwillige den Verein in Zürich aufbauen. Wer gerne Teil des Organisationsteams oder Coaching-Student werden möchte, kann Noemi Obrist auf schweiz (at) rockyourlife.org kontaktieren, oder mit einem finanziellen Beitrag dem Standortverein auf die Beine helfen.

Titelbild: Die Gründer von Rock Your Life Schweiz

  • Christoph Beer 21.2.2014 15.46 Uhr

    Danke, für die super investierten Stunden Freiwilligenarbeit! Unsere Gesellschaft braucht solche Vorbilder :-)

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