Ryan Bingham

Gestern Abend war der amerikanische Künstler Ryan Bingham im ausverkauften Bogen F zu Gast. Mit Gitarre, Mundharmonika und seiner rauen Stimme lockte das Fernweh. Die Folk-Klänge gehen hinaus auf den Highway des Lebens, mit all seinen Höhen und Tiefen.

Bereits die ersten Akkorde auf seiner akustischen Gitarre genügen, um uns in die endlose Weite Amerikas zu träumen. Das „On The Road“ Gefühl ist unausweichlich bei den Klängen von Ryan Bingham. Die Musik beschreibt, was in der Schweiz zu fehlen scheint: Die grosse Freiheit und Weite - in der berührend schönen Landschaft von Mittel- und West-Amerika.

Ryan Bingham spielte bereits im November 2012 im Viadukt beim Bogen F. Gestern Abend verzauberte der Solokünstler das Zürcher Publikum von neuem. Im vertrauten, kleinen Kreis unter dem Rattern der vorbeifahrenden Züge, war das grosse Amerika bei uns in Zürich-West. Den meisten ist der Name Bingham höchstens aus dem Film „Crazy Heart“ bekannt. Doch diesen Musiker sollte man sich merken. Die Songs aus seinem neuen Album spiegeln die Sehnsucht und Melancholie des Lebens mit stimmigen Lyrics und Melodiebögen.

Für sein fünftes Album „Fear And Saturday Night“, das im Januar erschien, zog sich Bingham ins bergige kalifornische Hinterland zurück, wo es keinen Strom gab und auch kein Smartphone piepte. In dieser Abgeschiedenheit komponierte er Songs, die mit seinem eigenen Leben eng verknüpft waren. Sein Blick ging zurück und auch nach vorne. Im Studio wirkte als Produzent der hervorragende Jim Scott, der bereits mit Grössen wie Sting, the Rolling Stones oder den Red Hot Chilli Peppers zusammen arbeitete.

Ryan Bingham wurde 1981 in Hobbs, New Mexico geboren. Nach unzähligen Umzügen, geprägt durch starke Vernachlässigung seitens der Eltern, brach er mit 17 die Schule ab und verliess seine Familie. Er schlug sich mit Gelegenheitsjobs als Rodeo-Reiter durch und lebte in Texas und Mexico. Gitarre spielen lernte er von Mariachi-Musiker aus seiner Nachbarschaft. Sein erstes Album veröffentlichte Bingham als 26-Jähriger. Doch seit 2009, als er für den hochgelobten Film „Crazy Heart“ mit dem Film-Song „The Weary Kind“ über Nacht mit einem Grammy, Golden Globe und danach sogar mit einem Oscar für den besten Song geehrt wurde, ist klar: Dieser Singer und Songwriter hat etwas zu sagen.

Nach dem Ausflug ins Rampenlicht hat sich der begabte Künstler wieder zurückgenommen und auf das Musikmachen besonnen. Mit seiner Frau gründete er vor ein paar Jahren sein eigenes Label, auf dem seine Alben seither erscheinen.

Der Auftritt gestern Abend von Ryan Bingham war nicht nur eine biografische Musikerzählung von Höhen und Tiefen, sondern zeigte auch die verschiedenen Einflüsse von Country, Rock und seinen Begegnungen mit der Mexikanischen Kultur. Am meisten beeindruckt seine unglaublich kraftvolle und warme Reibeisenstimme, die immer etwas älter klingt, als er selbst ist und so gar nicht zu seiner schmächtigen Statur zu passen scheint. Wer Lust auf mehr hat- Mitte Oktober sollte Bingham erneut mit Band bei uns zu hören sein.

Ausserdem zeigt der Bogen F in den nächsten paar Monaten interessante musikalische Neuentdeckungen und bekannte Bands, die es sich zu besuchen lohnt. Die Auswahl der Konzerte reicht von Schweizer Künstlern wie Kummerbuben oder Bob Spring & the Calling Sirens bis zu internationalen Musikern aus allen Ecken der Welt. Von den USA, Kanada, Deutschland, Portugal, Norwegen bis England und Schweden ist für jeden Musikgeschmack was dabei. Wir empfehlen einen Abend mit Scott Mathews am Samstag 25. April. Der Exil-Australier spielt bereits zum vierten Mal im Bogen F.

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