Mit Schirmchen, Charme und Melone

Die Gastrokolumne mit hochprozentigem Anfang und süssem Schluss. Heute zu Gast bei der Neni Bar im 25hours Hotel und nebenan im Route twenty-six im Sheraton Hotel.

Was heisst eigentlich typisch Schweizerisch? Sind damit Gerichte, wie Fondue, Züri Gschnäzlets oder Wurstchäs-Salat gemeint? Oder wie? Raoul und ich gehen dem heute auf den Grund.

Gestartet wird in der Neni Bar im 25hours Hotel. Stv Bar Manager Micha Bischoff macht uns einen erfrischenden Garden Fizz.

Die Kehle ist benetzt, jetzt ruft, beziehungsweise knurrt, der Magen. Da trifft es sich gut, dass wir gleich ein Haus weiter können. Reserviert haben wir nämlich im neu eröffneten Sheraton Hotel. Dort ist zur gleichen Zeit auch das Restaurant Route twenty-six aufgegangen. Eine Anlehnung an die Amerikanische Route 66, soll es den Gast auf eine kulinarische Reise durch die Schweiz mitnehmen. Typisch Schweizerisch? Aber was heisst das denn nun - wird Raoul und mir gleich ein Caquelon aufgetischt? Wir öffnen die Speisekarte.

Viele Schweizer Produkte werden angepriesen. Und da befinden wir uns auch schon in des Pudels Kern. "Das Route twenty-six will alle 26 Kantone der Schweiz repräsentieren", erklärt uns Chefkoch Steven Sweetman. Der gebürtige Australier lebt schon seit einigen Jahren in der Schweiz und hat hier sein Herz an Frau und Land verschenkt. Typisch Schweizerisch heisst hier, lokale Produkte und Landesspezifische Gerichte mit Weltbekanntem, wie etwa dem Hamburger, zu mischen.

Wurst-Käse-Salat mit Kabier-Wurst

Als Vorspeise wähle ich «Appenzeller Kabier-Wurst, Appenzeller Extra Käse, Grober Senf, Garnituren.» Die Wurst kommt aus Stein in Appenzell Ausserrhoden. Kabier heisst, dass die Schlachttiere auf eine ganz spezielle Weise gehalten werden. Natürlich ist alles Bio und kontrolliert. Dazu bekommen die Tiere tägliche Massagen. Richtig gehört: Massagen! Auf der Homepage des Hofes der Familie Dähler, wo die Tiere herkommen, erfahren wir mehr: «Unsere Kälber und Rinder erhalten zweimal täglich eine Massage. Dies abwechslungsweise mit einem Biervorlauf-Bierhefegemisch oder mit Schweizer Rapsöl. Dadurch erreichen wir die optimale Fellpflege und steigern das Wohlbefinden der Tiere. Ausserdem werden die Rinder durch den persönlichen Kontakt sehr zutraulich und weniger stressanfällig.» Klingt einleuchtend. Die Kälber dürfen vom Bier sogar auch schlürfen. Dies sei unproblematisch, versichert uns Küchenchef Sweetman, da die Kälber ja Wiederkäuer seien und der Alkohol durch insgesamt drei Mägen fliesst und so verdünnt wird. Auch auf der Homepage wird uns versichert: «Dies ist laut Tierspital Zürich möglich, da die Rinder Wiederkäuer sind und den Alkohol im Pansen abbauen.» Aber nun zum Wesentlichen – die Vorspeise.

Raouls Saibling-Medaillon

Eigentlich ist meine Appenzeller Kabier-Wurst mit Appenzeller Käse ein gewöhnlicher Wurst-Käse-Salat. Eine gute Idee, finde ich, erschrecke aber an der Grösse des Salates. Auch Raoul findet, dass dies mehr eine Hauptspeise wäre. Er ist ein bisschen Eifersüchtig, denn seine Saibling Medaillon auf Zitronenravioli und Cherry Tomaten Confi ist etwa halb so gross. Mein Salat ist mit einer groben Senfsauce abgeschmeckt. Diese ist relativ kräftig, was zur Wurst und dem Käse passt. Die Wurst ist sehr gut, viel zarter und lieblicher im Geschmack, als etwa ein Cervelat. Der Käse allerdings könnte etwas rezenter sein. Bei Raouls Fisch darf ich auch probieren. Er ist gut gewürzt und schmeckt super mit dem Zitronenravioli.

Zarte Zürcher Oberländer

Zur Hauptspeise. Ich weiss, ich hätte was typisch Zürcherisches nehmen sollen, so hätte ich vergleichen können. Vergleichen mit meinen Lieblingsversionen hier in der Stadt – zum Beispiel Zürigschnätzlets. Aber der Fleischtiger in mir war stärker und so bestellte ich das Zürcher Oberländer Kalbskottelet. Ist ja auch aus der Region. Dazu gibt’s Tagesgemüse aus dem Aargau. Gemüse halt. Das Fleisch ist wunderbar zart und geschmacklich super. Die Zürcher Oberländer-Luft tut eben allen gut.

Raoul hat sich für die Hacktätschli entschieden. Auch diese sind vom Kabier-Rind und dementsprechend zart. Dazu gibt's Selleriepüree, Aargauer Gemüse und Röstzwiebeln. Vor lauter Schlemmen haben wir leider vergessen unsere Hauptspeisen zu fotografieren. Oder vielleicht war es auch die Vorfreude auf das Dessert.

Zu süsser letzt...

...gibt es ein zart schmelzendes Chocolat Fondant mit 70% Cacao-Anteil.

Zutaten für 10 Küchlein:

  • 240g Lindt Schokolade (70% Cacao)
  • 240g Butter
  • 420g Eier
  • 185g Zucker
  • 120g Mehl

Die Butter und die Schokolade anwärmen. Am besten eine grosse Pfanne mit Wasser erhitzen und eine kleinere Pfanne mit der Schokolade und der Butter hineinstellen. Dann brennt nichts an.

Als nächstes die Eier und den Zucker zusammen schaumig rühren. Am besten so langsam wie möglich.

Schaumig gerührte Eier und Zucker

Danach das Mehl in die geschmolzene Schokoladen-Butter-Masse rühren.

Mehl in die Schokoladenmasse geben

Nun die beiden Massen, also Schokolade-Butter und Eier-Zucker, zusammenfügen. Auch hier: ganz langsam und nur Löffel für Löffel.

Chefkoch Steven Sweetman vereint die Massen

Das ganze in kleine Förmchen geben und im Ofen bei 160 Grad für 8 Minuten backen.

Chefkoch Sweetman ist zufrieden

So, und dann das Ganze nicht im Backofen vergessen! Angerichtet wird das kleine Schokoküchlein im Restaurant Route twenty-six mit Vanilleglace und Espressosauce. En Guete!

Chocolat Fondant mit 70% Cacao-Schokolade

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