«Heiss ist uns allen» – Treffender konnte Bundesrätin Simonetta Sommaruga ihre politische Rede an der «Zurich Pride» nicht beginnen. Das Wetter war perfekt, das Bier kühl und die Stimmung gut. Trotz dem ganzen Fest, sei die Pride noch nie so politisch gewesen, wie in diesem Jahr.
Rund 15'000 Besucher nahmen dieses Jahr am «Zurich Pride Festival» teil. Kein Wunder: Das Wetter hätte besser nicht sein können. Bei strahlendem Sonnenschein konnte man sich an zahlreichen Ständen verköstigen, die Live-Acts und DJs geniessen und sich die politischen Reden der Gäste anhören.
Gut begann das Fest schon am Freitag: Im kleineren Rahmen als am Samstag wurde hier der Startschuss zum grossen Festival auf dem Turbinenplatz gegeben. Ein super Abend um den ganzen Platz und die verschiedenen Stände zu entdecken. Danach folgten die Parties, welche auch eher im gemütlichen Rahmen stattfanden.
Der eigentliche Kern des «Zurich Pride Festival» stand aber am Samstag Nachmittag an: Die grosse Demonstration, welche vom Helvetiaplatz über Stauffacher und Bahnhofstrasse zum Werdmühleplatz führte, lockte 8'000 Demonstranten zur Kundgebung auf. «In der Schweiz sind Angehörige der LGBTI-Gemeinde in der Gesellschaft gut gestellt. Doch gibt es noch einige Punkte zur Verbesserung» sagt mir Nathalie Schaltegger, Präsidentin des Vereins «Zurich Pride Festival». So existiere in der Schweiz immernoch kein expliziter Diskriminierungsschutz für Schwule, Lesben, Bi-, Trans- und Intersexuelle. Auch sei es wichtig, sich mit Gleichgesinnten in anderen Ländern, wo Homosexualität noch bestraft wird – zum Teil mit Todesstrafe, zu solidarisieren. Man weiss, dass die politische Message durch die farbenfrohe Menge in Vergessenheit geraten kann. Andererseits bekommt man durch ebendiese Menge viel Aufmerksamkeit und geniesst die ausgelassene Stimmung, welche auch bei Heterosexuellen gut ankommt.
Dieses Jahr stand das Festival unter einem besonderen Stern: Der Besuch einer Bundesrätin war das grosse Highlight. Simonetta Sommaruga wurde bejubelt wie ein Popstar. Sie meinte: «Ein Besuch eines Bundesrates wird meistens schon im Voraus von Kritikern verurteilt.» Doch sie bekam keinerlei negatives Echo zu hören – im Gegenteil. Und das zeige, dass man in der Schweiz schon weit gekommen sei. Weiter zeigte sie auf, dass man in der Schweiz stetig an den Rechten der LGBTI-Gemeinde arbeitet: Das Namensrecht bei der eingetragenen Partnerschaft wurde geändert, die Stiefkindadoption soll nun auch für Homosexuelle geöffnet werden. Voll und ganz stand ihre Rede unter dem Zeichen von «Welcome to reality» – So erwähnte sie in ihrer Rede auch das Ausland. Frau Sommaruga verriet mir, dass das «Zurich Pride Festival» nun ihr Highlight für Zürich-West sein werde.
Weiter ging der Abend mit vielen Musikern und DJs, welche die Menge zum tanzen animierten. Bis nach 23.00 Uhr wurde munter weitergefeiert, bevor es dann weiter an die Parties ging.