Pete Rock rockt

Mal ganz banal heruntergebrochen: Es gibt zwei Sorten von Musikern. Die Progressiven, die sich ständig neu erfinden wollen und die Treuen, die ihr Ding seit Tag Eins durchziehen. Pete Rock gehört eindeutig zu letzteren. Das lies er sein Publikum im Exil spüren – nicht nur auf der Bühne.

Wann spricht man eigentlich von einer Musiklegende? Muss sie etwas Bahnbrechendes erreicht haben? Muss sie ein Genre anführen oder muss sie einfach lange genug auf dem Radar der Fans sein? Pete Rock hat wohl von allem ein bisschen. Er war Anfangs der 90er zusammen mit CL Smooth einer der Pioniere des typischen Hip Hop-Sounds des Jahrzehnts, er gehört mittlerweile klar zu einer Riege von DJs, die sich unsterblich gemacht haben und ja, es ist eigentlich unnötig zu erwähnen, dass er schon seit einer gefühlten Ewigkeit an den Decks steht.

Doch fangen wir bei den erwähnten 90ern an. Da ist Pete Rock nämlich zuhause. Funky Beats, Vinyl auf den Decks und ganz viel Seele packt er in seine Tracks. Das die Show im Exil eine Zeitreise wird, zeigte sich bereits in der Schlange vor der Kasse. Rein outfitmässig hätte die Menschenmasse direkt aus 1995 hergebeamt werden können. Es ist bereits viele Jahre her, als ich das letzte Mal Baggy-Jeans in Timberland-Schuhen gesehen habe. Auch die Gespräche lassen auf ein Publikum schliessen, das das letzte Jahrzehnt vor dem Millennium sehr bewusst wahrgenommen hat. Hinter mir erzählt einer, dass er bald 40 werde und er jetzt extra einen Racletteabend bei einer Freundin frühzeitig abgebrochen habe, um Pete Rock zu sehen. Generell herrscht eine äusserst nostalgische Stimmung. Hier wird über Wu-Tang diskutiert, dort wird in den guten, alten Zeiten geschwelgt.

Das Exil ist voll oder zumindest sehr gut gefüllt. Platz zum Tanzen und Kopfnicken bleibt jedoch genug und der DJ in der Ecke heizt schon ziemlich gut ein. Old School-Beats bestimmen die Beschallungsanlagen. Hip Hop, als er noch ehrlich war, als er noch etwas zu sagen hatte. Ach, ich fange auch an, frühere Zeiten zu glorifizieren.

Die Routine in Person

Mittlerweile ist es halb zwei Uhr. Für meinen Geschmack viel zu spät, aber für ein Kaliber wie Pete Rock tu ich mir das an. Und kaum verschwende ich einen Gedanken an die Zeit, geht auch schon der Vorhang auf, die Show beginnt. Pete Rock legt erst einmal ein paar Rhymes aufs Parkett, ehe er an die Decks steht. Irgendwie cool, wie astrein und extrem routiniert er auf der Bühne steht. Und der Sound erst. Die Zeitmaschine ist angekommen. Er mischt gekonnt 90er und 80er Rap mit Funk und Soul aus noch früheren Epochen, es ist ein wahrer Ohrenschmaus und allemal tanzbar.

Was Pete aber nicht verstecken kann, ist sein Alter. Nein, er ist sicherlich kein Greis, aber mit seinen 45 Lenzen und seinem rabiaten Old School-Ding kommt er teilweise ein bisschen angestaubt rüber. Er bewegt seine Finger gekonnt, aber irgendwie auch träge über das Vinyl. Überraschungen sucht man bei seinem Set vergebens. Jeder weiss, was er von Pete Rock erwarten muss. Das hat aber durchaus seine Berechtigung, niemand will irgendwelchen Crunk-Shit von ihm hören, aber bisschen mehr aus dem Fenster lehnen könnte er sich trotzdem.

Alles in allem ein top Abend. Alte Schule auf die Ohren, frenetisches Publikum und ein supercooler Pete Rock. Auf die nächste Zeitreise!

PS: Bild frech von der Exil-Website geklaut, weil meine Fotos alle gecrasht sind.

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