Pat Perry: „Ich bin nur ein Mensch“

Gedanken und Phantasie als Spielwiese: Seit 25 Jahren ist der Mentalmagier Pat Perry mit seinen Zauberauftritten weltweit erfolgreich. Vor fast einem Jahr hat er sein eigenes Zauberlabor, das „Close-Theater für Mentalmagie“ in Zürich-West eröffnet. Er erzählt von seiner Berufung, die er durch stetige Arbeit an sich selbst zu seinem Beruf machen konnte.

2003 wurde Pat Perry im holländischen Den Haag zum Zauberweltmeister gekürt, auch an den Schweizer Meisterschaften der Zauberkunst 1993 und 1996 hat er abgeräumt. Nun hat er sich mit der Eröffnung des Close-Up Theaters für Mentalmagie Anfang Jahr einen Bubentraum verwirklicht. Und zwar mit Erfolg: 27 Vorstellungen waren schon vor der Premiere von letztem Januar ausverkauft. Für bevorstehende Shows sind grösstenteils noch Tickets erhältlich.

Der Eingang an der Pfingstweidstrasse 101

Klein und heimelig ist das Zauberlabor von Pat Perry, das gut versteckt und doch mitten in der Stadt in den Räumlichkeiten der Migros an der Pfingstweidstrasse 101 liegt. Das Close-Up Theater ist nach dem Anatomiehörsaal-Prinzip aufgebaut und bietet Platz für 70 Personen - für Pat Perry perfekt. Denn für ihn zählt die Nähe zum Publikum, die in diesem Rahmen gegeben ist und die seine Kunst gewissermassen von anderen Star-Zauberern unterscheidet.

Pat Perry mit seinem „Baby“: Das Close-Up Theater für Mentalmagie in Zürich-West.

Rauch entschwindet seinem Mund, Feuer entspringt einer Münze. 20er-Noten verwandeln sich in 200er-Noten, Jasskarten scheinen durchsichtig für den Schweizer Magier. Pat Perry, der mit seinen Zaubertricks zwar in erster Linie „mental unterwegs“ ist, hat auch visuell einiges zu bieten. Und zwar durch Zauber-Kunststücke, bei denen das Auge mitessen und Emotionen aufleben lassen kann. Inspiration holt sich der 48-Jährige an verschiedenen Quellen, etwa beim Spazieren in der Stadt. „Letzten Sommer habe ich beispielsweise einen Graffiti-Künstler gesehen, der beim Letten etwas gesprayt hat“, erzählt er, „jetzt habe ich ein Graffiti-Kunststück im Programm.“ Auch von zeitgenössischer Kunst lässt er sich inspirieren, an Ausstellungen, Galerien. Eher als von Zaubertricks anderer Magier: „Es macht mir mehr Mühe, aus fertigen Kunststücken eigene Ideen zu kreieren.“

Pat Perry in seinem Vorbereitungsraum neben der Tribüne des Close Theaters.

Die Originalität der Ideen ist ein sehr ausschlaggebendes „Detail“ für Pat. Schliesslich sind rund 90% seiner Kunststücke Eigenkreationen. Dabei bedient er sich verschiedener Methoden der Zauberkunst, wie der Ablenkung, Fingerfertigkeit, Geschwindigkeit, aber auch der Mentalmagie, bei der Psychologie, Suggestion, Konditionierung und Wahrnehmung zentral sind. Stets ist es wichtig, sich durch nonverbale Kommunikation genau auf die Menschen einzustimmen, genau hinzusehen, um ihre Gedanken quasi lesen zu können. Durch diese Mischung aus verschiedenen Methoden verwirrt Pat das Publikum, das sich unweigerlich fragt: Hat er das jetzt gezaubert? Oder hat er mich eingeschätzt? Oder hat er vorher etwas Bestimmtes gesagt, das mich dazu brachte, genau das zu sagen?

Vom Zauberladen zum Close Theater

Pat Perry war früher ein nervöses Kind, erzählt er von sich selbst, oft wurde er von Bezugspersonen aufgefordert, seine Hände still zu halten. Nach einem Besuch in einem Zauberladen in Zürich hat er etwas gefunden, womit er seine Hände stundenlang bewegen konnte: Jonglierbälle. Damals als Kind konnte er noch nicht ahnen, dass er die Zauberei mal als Beruf ausüben würde. Später machte er eine Lehre als Hochbauzeichner, arbeitete dann Teilzeit im Büro, hatte nebenher Zauberauftritte, was sich stetig entwickelte. Ab 24 Jahren gab es nur noch die Zauberkunst für Pat Perry. Danach studierte er sieben Jahre lang an einer Theaterschule, die er in Abendkursen besuchen konnte, und in New York an der „Mystery School“.

Pat Perry mit seinen Jasskarten

Am meisten lernte Pat Perry durch seine Auftritte selbst, durch kleinere Fehlschläge, durch Irrwege, und durch die Interaktion mit den Menschen. Für den Profi ist auch heute noch nicht ausgelernt. „Du hast manchmal das Gefühl, dass du jede Reaktion von den Menschen bereits kennst“, erzählt er, „und dann kommt ein Mensch, der wiederum ganz anders reagiert.“ Doch auch für seine Selbstfindung waren Fehler wichtig. Beispielsweise, als er in jungen Jahren für eine Show angefragt wurde, die sich bei der Umsetzung als eine „Nummer zu gross“ entpuppte: „Da erwarteten die Leute eine Riesenshow mit Tänzerinnen und allem Drum und Dran. Ich musste mir danach selbst eingestehen, dass das nicht mein Ding war.“ Eine wichtige Erkenntnis für ihn, um seine Arbeit authentisch weiterzuführen, die sich konstant entwickelte. So rückte im Verlaufe der Zeit das Thema Mentalmagie immer mehr ins Zentrum. „Irgendwie hat das in mein Leben gepasst, und dann gab es nichts anderes mehr nebendran“, erzählt der 48-Jährige, der im Moment in Madetswil im Zürcher Oberland zu Hause ist.

Grauzone Mentalmagie

Mentalmagie? Gedankenexperimente? Diese Worte machen im ersten Moment stutzig. Zauberei ist eine Grauzone, eine zwiespältige Sache, die Reaktionen im Publikum gehen auseinander. Wobei im Verlaufe der Jahre ein Umdenken stattgefunden habe. Wo sich Pat Perry früher für seine Zauberer-Profession fast entschuldigen musste („Zauberer – aber nicht wie Du denkst, ohne Hase und Zylinder und so“), sei die Gesellschaft in diesem Bezug offener geworden.

Pat Perry während einer seiner Vorstellungen. (Bild: zvg)

Unterschiede zwischen den verschiedenen Publika gibt es ganz klar. Das Schweizer Publikum brauche im Vergleich zu den Amerikanern, die „sofort Feuer und Flamme“ seien, mehr Zeit, um warm zu werden. Dafür halte das Feuer länger an. „Die Amerikaner wollen einfach Spass haben. Nach drei Tagen kennt dich dafür keiner mehr.“ Umso schöner, nach fünfzehn Jahren in der Schweiz wiedererkannt zu werden. Auch wenn in der zurückhaltenden Schweiz die „standing ovation“ im Vergleich magerer ausfällt: Ein Schmunzeln, ein Staunen oder ein ernstgemeintes Kompliment sei manchmal mehr wert als das lautstärkste Gejubel.

Pat mit seinem „Angst-Buch“: Extra für eines seiner Kunststücke kreiert.

Was zum Beispiel David Copperfield in Las Vegas gross aufzieht, macht Pat Perry also im kleinen Rahmen. Seine Shows dauern 70 Minuten, nach 15 bis 20 Minuten lassen die Leute laut Pat normalerweise los, oder „lassen es zu“, geben sich hin, geniessen die Märchenwelt als das, was sie ist: Irreal. Schliesslich spiele dieser Aspekt auch keine Rolle mehr. Man lässt sich von der Zauberei berühren, ob sie jetzt echt ist, oder eben nicht: „Wenn du im Kino sitzt, hast du auch Tränen in den Augen – auch wenn die Stunts und das Blut nicht echt sind.“

Nichts Übersinnliches

Trotzdem gibt es Leute, die Mühe haben mit der Zauberkunst von Pat Perry. Besonders Wissenschaftler liessen sich ungern aus dem gewohnten Konzept bringen. „Nicht falsch verstehen, ich bin Physiker. Wenn ich Ihnen zuschaue, kann ich heute nicht mehr schlafen“, hat Pat schon zu hören bekommen. Dabei sollten gerade Physiker wissen, wie begrenzt unsere Wahrnehmung ist, meint er. Oft werde Magie auch mit Okkultismus verwechselt, von dem sich Pat strikt abgrenzt. Seine Zauberkunst hat nämlich nichts mit Übersinnlichkeit zu tun, dafür mit Suggestion, Kommunikation, Wahrnehmung, auch mit Statistik, Einschätzung. „Es hat bei externen Auftritten auch schon Leute gegeben, die fanden, das wäre Teufelszeug, was ich da mache“, sagt Pat, „die hatten dann wirklich das Gefühl, ich könne in ihre Köpfe reinschauen.“ Was natürlich nicht der Fall war. Umso wichtiger sei es deshalb, den Leuten vor allem bei externen Anlässen im Vorfeld zu erklären, dass es sich um eine Rolle handelt, die Pat während der Show einnimmt, und dass er jemanden spielt, der das Unmöglich kann. „Am Schluss bin ich auch nur ein Mensch.“ Das will er den Staunenden auch nicht vorenthalten.

Pat Perry und seine Jasskarten

Hypnotisiert Pat Perry auch? Suggestion ist zwar auch eine Art von Hypnose, von den klassischen amerikanischen Hypnoseshows distanziert sich Pat aber strikt. Gerade in Las Vegas sei das „ganz schlimm“, die Machtposition werde oft missbraucht für „billige Lacher“ auf Kosten der Hypnotisierten, die damit lächerlich gemacht würden. Damit kann sich ein Zauberer ins eigene Fleisch schneiden. Gerade bei Geschäftsanlässen oder an anderen, weniger „intimen“ Veranstaltungen achtet Pat speziell darauf, kein Kunststück vorzuführen, das jemandem zu nahe treten könnte. Sein Programm passt er entsprechend an, mittlerweile führt er beispielsweise Leadership-Referate durch, wo es um einen Perspektivenwechsel geht. „Ich habe zwar nicht viel Ahnung von Management, ich bringe den Leuten dafür meine Standpunkte näher“, erzählt er, zum Beispiel im Umgang mit Menschen generell, mit Ängsten, Führung, Kommunikation.

Pat Perry lässt eine Münze in Feuer aufgehen.

Doch wie funktionieren die Zaubertricks eigentlich? Mit blossem Menschenverstand kann man sich echt den Kopf darüber zerbrechen, was hinter der Zauberei von Pat Perry stecken könnte. Einen Trick verraten wollte er leider nicht. Schliesslich ist das Geheimnis, das Wunder und der Zauber das Handwerk des charismatischen Magiers. Das sei sonst auch schade, meint er, denn in unserer hochrationalen Welt sei es doch schön, auch mal staunen zu können. Staunen helfe auch, sich selbst aus dem Zentrum des Universums zu nehmen. Es schafft somit Empathie und Wahrnehmung für anderes. Aus dieser Sicht ist es tatsächlich schöner, das Geheimnis nicht aufzulösen und weiter zu schweben im unendlichen und zauberhaften Spektrum des Nicht-Wissens.

Wir haben den Schweizer Zauberweltmeister Pat Perry getroffen und uns verzaubern lassen. Nun zaubern wir für dich zwei Eintrittskarten für sein Theater in Zürich-West (Samstag, 26.12.2015) aus dem Ärmel. Schreib uns einen Kommentar, wieso wir dich auswählen sollen.

  • Louis von Mandach 16.12.2015 21.00 Uhr

    Wir sind grosse Fans von Pat: Seine frische Bühnenpräsenz und freche Art sein Publikum zu verzaubern ist einmalig!

  • Jean-Luc Fernandez 03.4.2017 09.36 Uhr

    challo

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