Ohne Schweiss kein Preis

Gerade erst von meinem ersten Mal im CityRunning Lauftreff zurückgekommen, schwebe ich immer noch in einem "Runner's High". Während der letzten Stunde und den knapp neun Kilometern habe ich zusammen mit zehn anderen Läufern aus Zürich-West geschwitzt, gestaunt und dabei das Quartier von einer anderen Seite kennengelernt.

Kurz nach 19 Uhr haben sich neben mir zehn weitere motivierte Läufer auf dem Lindenplatz in Altstetten eingefunden. Als ich zuhause losging, hat es noch geregnet, doch jetzt haben sich die Wolken gelichtet und es scheint ein angenehmer Jogging-Abend zu werden. Die CityRunning Vereinigung trifft sich jeden Donnerstag im Westen von Zürich und es findet ein stündiges Training statt, das jeweils von einem erfahrenen Läufer oder einer Läuferin der Gruppe geleitet wird. Als wir fast pünktlich losrennen, konzentriere ich mich zuerst auf meinen Atem, während die anderen schon munter miteinander reden. Da ich seit meinem Umzug in die Stadt nie mehr joggen gegangen bin, war ich vor diesem Abend ziemlich aufgeregt. Würde ich die fast zehn Kilometer lange Route überhaupt überstehen? Oder rennen mir die anderen Läufer alle davon? Kann man in der Stadt überhaupt in einen "Flow" kommen, wenn man alle zwei Minuten an einem Lichtsignal warten muss?

Als wir nach rund einem Kilometer das Stadtzentrum von Altstetten verlassen haben, sind meine anfänglichen Sorgen schon verflogen. An diesem Abend renne ich nämlich meistens im Mittelfeld, bei den ganz steilen Stücken sogar im vorderen Drittel mit, und es erwarten uns lediglich drei Lichtsignale auf der ganzen Strecke, wie Sylvia, die heutige Leiterin, verspricht. Bis Kilometer 2 durchqueren wir Zürich-West, dann geht es über das Werdinseli, an den Wasserwerken vorbei. Ausser einem zwischenzeitlichen ultrafeinen Nieselregen ist uns das Wetter hold und es erwartet uns eine wunderschöne Abendstimmung rund um die Limmat.

Die wunderschöne Abendstimmung beim Wasserkraftwerk Höngg

Dann geht es an den Aufstieg, denn unsere heutige Route führt uns nach Höngg, ins Grüne. Während dem ersten steilen Stück werden wir mit einem Regenbogen belohnt, der sich von Höngg über Zürich-West erstreckt. Jetzt heisst es dranbleiben, und gleichmässig zu Atmen, trotzdem beginne ich jetzt aber schon die ersten Gespräche mit meinen Laufkollegen. Die Stimmung ist total locker, die meisten hier trainieren regelmässig und kennen sich deshalb ziemlich gut. Sylvia fragt sogar nach, ob das Tempo für mich stimmt und ich bejahe schnaufend. Tatsächlich läuft es sehr gut, denn ich habe meinen Laufrhythmus gefunden und geniesse das Lauferlebnis durchs Quartier. Anders als zuhause, wo ich meine Joggingrouten schon in und auswendig kannte, gibt es hier für mich nach jedem Ecken etwas Neues zu sehen und als wir immer höher Richtung Hönggerberg laufen, präsentiert sich uns eine fantastische Sicht auf Zürich-West im malerischen Abendlicht.

Blick auf Zürich-West vom Winzerberg bei Höngg

Etwa in der Halbzeit, wir haben jetzt die ersten vier Kilometer hinter uns, erreichen wir den höchsten Punkt unserer heutigen Joggingroute. Wir sind auf dem Hönggerberg angekommen und ich bin überrascht, wie sich die letzten Kilometer durch Wald und viel Grün so gar nicht meiner Vorstellung vom Joggen in der Stadt entsprach. An das hier kann ich mich definitiv gewöhnen: die verschiedenen Strecken, die man mit dem West-Lauftreff von CityRunning bejoggt, sowie die gute Dynamik der Gruppe sind äusserst motivierend und machen Lust auf mehr, beziehungsweise auf ein regelmässiges Training.

Sylvia leitet an, ab jetzt geht es fast nur noch nach unten!

Als wir plötzlich an einer kleinen Herde von Schafen vorbeirennen, fühle ich mich fast schon wie früher zuhause auf dem Land. Solche Begegnungen beim Joggen in der Stadt hätte ich mir nie erträumt. Durch das idyllische Grün geht es jetzt wieder abwärts ins Quartier von Zürich-West und ich komme mit verschiedenen Läufern ins Gespräch. Sylvia führt uns flink durchs Quartier und zeigt uns Geheimwege, wie einmal überirdisch durch ein Parkhaus, sodass wir die belebtesten Strassen meist umgehen können. Begleitet vom schönen Abendrot kehren wir in einem grossen Schlenker zu unserem Startpunkt, dem Lindenplatz, zurück. Wir strahlen im Kollektiv und danken Sylvia für die tolle Route, die, wie mir gesagt wurde, anscheinend auch zu den Strengeren dieser Donnerstagabend-Reihe gehörte. Ich verspreche den anderen, möglichst bald nach meiner Premiere wieder dabei zu sein und schaue stolz auf mein Lauf-App: Das Schnaufen und Schwitzen haben sich gelohnt, denn in den rund 9 Kilometern mit vielen Höhenmetern haben wir bei einem guten Durchschnittstempo eine beachtliche Runde durchs Quartier zurückgelegt. Diese abwechselnde Route vorbei an Strassen, Brücken, Wasser, Wald und Wiese werde ich wohl bald auch einmal solo in den Angriff nehmen, und meine Entdeckungstour durch Zürich-West im Joggingoutfit fortführen.

Mein erster Lauf durchs Quartier mit CityRunning West.

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