Neuer Mut nach Brand

Nach dem Brand letzten Februar feiert das Kino Houdini an der Zürcher Kalkbreite heute sein Re-Opening. Fast neun Monate war es wegen dem Brand geschlossen. Jetzt erstrahlt es in neuer Kraft.

Ein grosser Schock erlebte das Houdini letzten Februar. Ein technischer Defekt hat einen Brand verursacht, wobei 40 Personen aus den Wohnungen über dem Kinokomplex evakuiert werden mussten. Verletzt wurde dabei niemand, allerdings wurde der Barbetrieb zerstört und erheblicher Sachschaden angerichtet. Der wird von der Versicherung auf rund 2,8 Millionen Franken geschätzt. Von dem Schaden ist heute, am Tag der Eröffnung, nichts mehr zu sehen.

Die Houdini-Bar nach dem Brand vom 17. Februar… (Bild: ZVG)
…ist nach fast neun Monaten kaum wiederzuerkennen.

Der Sachschaden ist ein berechenbares Gut. Der Aufwand für die Krisenbewältigung und für Ressourcen innerhalb der Firma ist schwieriger zu beziffern. Noch weniger fassbar sind die Auswirkungen auf die Psyche, die der Brand verursachte. „Zuerst ist da mal pures Adrenalin“, erzählt Frank Braun von dem Moment, als er von dem Brand überwältigt wurde. Er ist Co-Geschäftsführer der Neugass Kino AG, zu der in Zürich das Houdini und das Riffraff gehört. Der Schock selbst sickerte bei ihm erst nach und nach durch. „Im Moment ist man da mit ganz anderen Sachen beschäftigt. Man muss Informationen sammeln, Entscheidungen treffen, Massnahmen einleiten“, sagt Frank Braun. Erst über die Reaktionen des Umfelds, der Zugewandten und der Öffentlichkeit wurde ihm nach und nach klar, was der Brand bedeutete.

Frank Braun: „Es gab nur eine Richtung: Es musste weitergehen.“

Lange in der Trauer verharren durften die Betreiber des Houdini also nicht. Es gab für sie kein Kompromiss, es gab nur eine Richtung: Es musste weitergehen. Glücklicherweise ist der Brand nicht bei der Eröffnung ausgebrochen, so hatte das Houdini doch schon über ein halbes Jahr geöffnet und konnte sich in dieser Zeit profilieren. Deshalb wollten die Betreiber nach dem Brand an dem bewährten Konzept anknüpfen. Die Besucherzahl in den doch recht kinounfreundlichen Sommermonaten letztes Jahr war erfreulich, lief im Herbst und Winter zur Höchstform an. Bis der Brand im Februar dieses Jahres dem Houdini einen Strich durch die Rechnung machte.

Zerstörte Houdini-Bar: Nach dem Brand. (Bild: ZVG)
Blitzblank: Kurz vor dem Re-Opening.

Die Struktur des Houdini hat den Brand überlebt: Die Architektur mit den drei Geschossen, die sich zu einem sogenannten „Miniplex“ zusammenfügt, ist noch die alte. Der Sichtbeton mitsamt seinem Lack wurde erneuert. Dabei musste zuerst der Lack mit einem speziellen Verfahren entfernt werden, da er durch die Substanzen im Rauch kontaminiert war. Die Porosität hat sich daher verändert, die Farbe ebenfalls.

Die Treppe in die Obergeschosse, wo sich die Kinosäle übereinander stapeln

Die fünf Kinosäle mit den insgesamt 212 Sitzplätzen blieben grösstenteils verschont. Sie waren nicht vom Feuer, wohl aber vom Rauch betroffen. „Erst über das Entlüften wurde der Rauch durch das Lüftungssystem in die Kinosäle gesogen“, erklärt Frank Braun. Aber nur in geringer Konzentration. Die Sitze konnten gerettet und mit einem speziellen Reinigungsverfahren wieder auf Vordermann gebracht werden. Die sensible weisse Fläche der Leinwände und die heikle Elektronik der Projektoren bekamen die Folgen des Rauchs auch zu spüren, beides wurde ersetzt.

Neue Leinwände und Projektoren, saubere Sitzplätze, hier im Kinoraum 2.

Der 4. November war das erstmögliche Datum für die Eröffnung. Lange war nicht klar, wann das Houdini wieder offiziell besucht werden konnte. Immer wieder habe es Erkenntnisse gegeben, die alles auf den Kopf stellten, sagt Frank Braun: „Die Schadstoffanalyse war zum Beispiel sehr aufwändig, da anfangs noch nicht klar war, wie oft die einzelnen Testproben wiederholt werden mussten.“ Je nach dem hätten sich die Schadstoffe abbauen können, was eine Liquidation erübrigt hätte.

Die Brandschäden vom 17. Februar. (Bild: ZVG)
Der gleiche Raum mit neuem Elan.

Ähnlich wie im räumlich verwobenen Riffraff macht im Houdini das Ambiente viel aus. Die Lounge, die Bar und die bauliche Struktur sind dabei wichtige Bestandteile. Aber auch die Kinosäle selbst, die ihren eigenen Charme haben, durch das Verhältnis von Leinwandgrösse, Klang und Rauchdimension. Der kleinste der fünf Säle zählt 32 Sitzplätze, der grösste 54. Das sei zum Teil gewöhnungsbedürftig für die Leute. „Jedenfalls für die, die mit dem Kino den grossen Galaauftritt, die pompöse Kulisse verbinden“, sagt Frank Braun. Dafür sei das Individuelle zentraler, das Atmosphärische stehe im Mittelpunkt. Dass die Leute einen Film an einem Ort sehen können, der sich auch sonst zum Verweilen lohnt. Sonst könne man die Filme auch einfach streamen und zu Hause schauen. Oder „wie in einem Hühnerstall eingepfercht“ in ein Grossraumkino sitzen.

Das Mezzanin mit Polstergruppen.

Das Kino Riffraff konnte während der Zwangspause Vorstellungen vom Houdini übernehmen. Beispielsweise den Film „Iraqi Odyssee“, der in dieser Woche starten sollte, in der das Houdini den Brand erlitten hat. Immerhin: Der Film ist nach neun Monaten immer noch im Programm. Die Überbrückung hat zwar nicht zu einem spürbaren Anstieg der Besucherzahl geführt, die Betreiber konnten aber einiges kompensieren.

Feuer, Rauch, Explosion: Flyer für das Re-Opening

Glück im Unglück war am 17. Februar im Spiel, schliesslich sind keine Menschen körperlich zu Schaden gekommen. Der Brand vom Februar hat trotzdem viel zerstört, die Gemüter aufgewirbelt. Das Feuer in den Herzen der Kinobetreiber war stärker. Das Houdini ist wieder wie neu. Und nimmt das ganze inzwischen mit Humor. An den der Flyer zum Re-Opening des Houdini appelliert, mit Flammen und Rauch versehen. Humor kann sehr heilsam sein.

Programm ab Donnerstag in den fünf verschiedenen Sälen.

Heute Mittwoch findet also das Re-Opening mit Spezialangeboten, Musik und Kurzfilmen im Houdini statt, ab Donnerstag beginnt der reguläre Betrieb wieder. Und zwar gleich mit fünf sehenswerten Zürcher Kino-Premieren im Programm: El Ultimo Tango, Wintergast, My Skinny Sister, Coconut Hero, Mediterranea – Refugees welcome?

Los!

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