Kraftvoller Klangteppich verlegt

Diesen Montag hat die Juni-Konzertreihe im Bogen F mit dem Auftritt von dem US-Künstler “Strand of Oaks” und seinen Landsmännern von “Musée Mécanique” einen fulminanten Start hingelegt. Kraftvoll, laut, und unerwartet gefühlvoll entführten die Musiker die Zuhörer in eine virtuose Klangwelt.

Ach was jammern wir doch alle gerne über den Montag, den miesen Spielverderber, der jeweils nach einem vergnüglichen Wochenende eine neue unspektakuläre Arbeitswoche einläutet und darum oftmals so schnell wie möglich überstanden sein will. Dieser Montagabend, den ich wie rund 50 andere Musikbegeisterte im Bogen F verbracht habe, zeigt sich aber ausnahmsweise von einem ganz anderen Gesicht. Ohne Probleme lässt sich dieser nämlich in die Kategorie “most memorable Mondays” einordnen und hat sich somit bereits unverhofft zum Höhepunkt meiner Woche gemausert. Dank dafür gilt den Musikern aus Übersee, die mich am Auftakt der Juni-Konzertreihe im Bogen F mit ihren teils verträumten, teils kraftvollen Melodien in eine vollkommene Glückseligkeit befördern.

Als kurz nach neun Uhr das Glockenspiel der Portlander „Musée Mécanique“ zum ersten Mal ertönt, ströme ich, wie die anderen Besucher, die gerade noch die letzten Abendsonnenstrahlen auf dem Vorplatz genossen haben, zur kleinen Bühne unter dem rustikalen Gewölbe des Viadukt hin. Das Glockenspiel ist nur eines unter vielen ungewöhnlichen Instrumenten, die in der folgenden Dreiviertelstunde von der Vorband zu einem kraftvollen, mit elektrischen Klängen unterlegten Klangteppich verwoben werden. Dazu ertönen klare Männerstimmen, die sich gekonnt übereinander schichten. Die spürbare Sehnsucht der wehmütigen Stimmen, die mit ihrer Reinheit auch das geschultere Musikgehör einlullen, zieht sich durch das ganze Set der Vollblutmusiker und stimmt so perfekt auf die Authentizität von dem Haupt-Act „Strand of Oaks“ ein. „Musée Mécanique“ überraschen nicht nur mit vielseitiger Instrumentation, sondern auch, als sie etwa in der Mitte ihres Auftritts einen fliegenden Leadsänger-Wechsel auf der Bühne vornehmen und das Publikum sozusagen in den doppelten Genuss von Stimm- und Klangfarbe kommt.

Nach einer kurzen Umbauphase tritt dann Timothy Showalter, der mit seiner dreiköpfigen Band „Strand of Oaks“ verkörpert, im schummrigen Licht auf. Während dem ersten Lied sieht man denn auch nicht viel mehr als ein Schatten des Sängers, was bei seiner kräftigen Statur und den langen Haaren aber durchaus einen ersten starken Eindruck hinterlässt. Entgegen Timothys Aussehen, das auch wegen der unzähligen Tattoos auf den starken Oberarmen vorallem an die Heavy Metal – Szene erinnert, zeigt uns Strand of Oaks neben virtuosen Gitarrenriffs und archaisch anmutenden Trommelschlägen ebenso viel Verletzlichkeit. Diese ist besonders eindrucksvoll, als die restliche Band plötzlich ihr Bier schnappen und von der Bühne verschwinden und Timothy Showalter die Bühne überlassen.

Als dieser dann auf der leeren Bühne steht und fast schon flehend mit durchdringender Stimme „it’s a lonely life“ singt, beeindruckt dies ungemein und lässt den Abstand zum Publikum noch weiter schrumpfen. Der Sänger fasst diese spürbare Intimität im Raum in die folgenden Worte: „People are so nice here in Switzerland... You are too, I guess. Yes you are, I can feel it!“. Für die letzten, wieder lauteren und rockigeren Lieder ihres ersten Schweizer Konzerts wird Timothy dann wieder von seinen Bandmitgliedern unterstützt, und als nach einem letzten gewaltigen Drumsolo ein aufrichtiges Lächeln über das Gesicht von Timothy Showalter aka „Strand of Oaks“ zieht, bemerke auch ich meine hochgezogenen Mundwinkel, als ich wieder aus der Seligkeit der uns gebotenen träumerischen Klangwelt auftauche.

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