Humanitären Hilfe in der Schweiz

Wenn es um die Unterstützung von Menschen in Not geht, zeigt sich die Schweiz bereits seit Jahren sehr engagiert.

So wurde im Jahr 1946 beispielsweise die sogenannte Glückskette ins Leben gerufen.

Insgesamt besteht die Glückskette aktuell aus 25 Partnerorganisationen, die sich allesamt für Menschen in Notlagen einsetzen – sei es nach Katastrophen in der Schweiz oder im Ausland.

Unter anderem zählt das Schweizerische Rote Kreuz zu den Partnern der Glückskette. Die Hilfsorganisation hat beispielsweise das Projekt „Jeder Toner zählt“ ins Leben gerufen. Das Projekt arbeitet dabei mit unterschiedlichen Partnern zusammen. So fordert auch der Toneranbieter tonerpartner.ch Kunden auf seiner Webseite auf, alte Tonerkartuschen zu sammeln und in eine Sammelbox zu packen. Die Erlöse aus dem Pfand werden in Spenden für Projekte des Schweizerischen Roten Kreuz umgewandelt. Die sich daraus ergebenden Gelder kommen hilfsbedürftigen Familien in der Schweiz zu Gute.

Dies ist eines von vielen Projekten, das belegt, dass auch die humanitäre Branche stets inspiriert ist, innovative Hilfskonzepte zu realisieren. Neben den traditionellen alteingesessenen Akteuren treten laut Tony Burgener, dem Direktor der Glückskette, auch immer mehr neue Akteure in Erscheinung.

Unter “neuen Akteuren” versteht man private Institutionen, die auch “philanthropische Stiftungen” genannt werden. Bei den Gründern solcher Stiftungen handelt es sich oftmals um finanzstarke Unternehmen oder Personen. Diese spezialisieren sich auf Themen wie Gesundheit, Bildung oder Kinderschutz. Auch werden die Entscheider dieser Stiftungen als risikofreudig, flexibel und innovativ bezeichnet. Im Gegensatz zu den traditionellen Akteuren sind sie lediglich sich selber gegenüber verpflichtet, wodurch sich eine Unabhängigkeit von öffentlichen Geldern ergibt. Zu den traditionellen Akteuren zählen unter anderem die international bekannten Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die in der Regel die Interessen der Zivilgesellschaft vertreten.

Der Vorteil von humanitären Kooperationen in der Schweiz

Der Vorteil, der sich aus dem Zusammenschluss beider Gruppen ergibt, liegt darin, dass zusätzliche finanzielle Ressourcen generiert werden. Wo bisher Hilfsprojekte oftmals auf kurz- bis mittelfristige Perioden begrenzt waren, ergeben sich aus eben solchen Kooperationen Möglichkeiten, diese Projekte langfristig anzusetzen - sowohl lokal in der Schweiz als auch international. Dank der wachsenden Kooperationsbereitschaft der privaten Akteure lassen sich die Hilfsprojekte in der Schweiz gezielter unterschiedlichen Empfängern zuordnen. Die langjährige Erfahrung der traditionellen Organisationen und die Finanzstärke der Privatorganisationen führen so zu starken Synergien.

So konnten neben der vorgenannten “Jeder Toner zählt” Aktion auch noch viele weitere Hilfskonzepte ins Leben gerufen werden.

Beispielsweise ergibt sich als Folge schwerer Unwetter oft eine kurzfristige Hilfebedürftigkeit in der Bevölkerung. Unter dem Aktionstitel “Unwetter Schweiz” formatieren sich hier Partnerschaften, deren Zuständigkeiten von Dachorganisationen wie dem Schweizerischen Roten Kreuz bzw. der Caritas geregelt werden. In der Regel werden Maßnahmen zur Soforthilfe, Überbrückungshilfe oder auch der Subsidiärhilfe umgesetzt. Hierunter fallen unter anderem Aufräumarbeiten und der Wiederaufbau von beschädigten Wohnräumen.

Auch im Rahmen der “Sozialhilfe Schweiz” treten immer mehr Akteure in Kraft. Hierdurch werden beispielsweise schweizerische Familien aufgefangen, die sich in großer finanzieller Not befinden. Durch die Bereitstellung von Soforthilfefonds wird diesen Menschen Hilfe zur Selbsthilfe geleistet.

Auch die humanitäre Hilfe unterliegt festgelegten Universalwerten

Die Vielzahl der unterschiedlichen Akteure erfordert das Einhalten festgelegter Regeln. So können

Ansprüche auf Hilfe ausschließlich über offizielle Institutionen bzw. öffentliche Sozialdienste erhoben werden. Direkte Gesuche von Betroffenen werden nicht berücksichtigt, da die humanitäre Hilfe grundsätzlich festgelegten Prinzipien unterliegt. Alle Akteure - traditionell wie “neu” sind an diese universellen Prinzipien gebunden, die sich wie folgt benennen lassen:

- Humanität

- Unabhängigkeit

- Unparteilichkeit

- Neutralität

Diese Prinzipien gewährleisten, dass die jeweiligen Hilfsmittel effizient eingesetzt werden und die

unterschiedlichen Akteure in Verbindung bleiben. Vor der Verabschiedung neuer Hilfsmaßnahmen wird das Verständnis dieser universellen Werte aus jeder Perspektive durchleuchtet und gegen die jeweilige Situation der Hilfsbedürftigen abgewogen. Daraus ergeben sich wiederum Ansätze für kontinuierliche Projekte, über deren tatsächlichen Ausführung dann abgestimmt wird. So verfolgen die Entscheider der Schweizerischen humanitären Branche unter anderem das Ziel, dass etwa mit Spendengeldern verantwortungsbewusst umgegangen wird. Die ständige Herausforderung der jeweiligen Akteure liegt darin, sich klar und transparent zu positionieren und so den Weg für neue Kooperationsmöglichkeiten zu ebnen.

Die Schweiz ist sogar so weit gegangen und hat eine Stiftung zur Zertifizierung von humanitären Akteuren eingeführt. Es liegt in der Verantwortung der ZEWO (schweizerische Zertifizierungsstelle für Spenden sammelnde Organisationen), die Transparenz der Hilfsorganisationen und deren jeweiligen Projekte zu überwachen. Die Stiftung ist sowohl parteipolitisch als auch weltanschaulich unabhängig.

Hilfsorganisationen, die das ZEWO-Gütesiegel tragen werden jährlich überprüft und dazu aufgefordert, entsprechende Jahresberichte einzureichen.

Die humanitäre Hilfe hat verschiedene Erscheinungsformen

Neben den klassischen Sammelaktionen erfreuen sich auch in der Schweiz die sogenannten Charity-Events einer wachsenden Beliebtheit. Wichtig hierbei ist, dass sich der Fokus nicht verschiebt. Während der Einsatz bekannter Persönlichkeiten im Zusammenhang mit Krisensituationen insbesondere die Massenmedien schnell mobilisiert, liegt die Herausforderung darin, das Hauptaugenmerk auf die hilfsbedürftigen Menschen zu legen und zu belassen.

Diese Gefahr ist bei den Sammelaktionen geringer. Diese liegen oft einer klaren Kommunikation zwischen Initiatoren und den potenziellen Unterstützern zugrunde. Auf diversen Plattformen wird transparent und deutlich kommuniziert, worum es geht, wie die Hilfe erfolgen kann. Dank dieser vereinfachten Prozesse wird verhindert, dass die Helfer in Zugzwang geraten bzw. sich ein medialer Wettbewerb ergibt, der den Blick vom Wesentlichen wegzuführen droht.

Bildquelle:

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