„Filmer brauchen uns Gamer“

Die Swiss Game Developers Association steht hinter der Volksinitiative zur Film-, Game- und Medienförderung im Kanton Zürich. Damit will sie dem Potential der boomenden Schweizer Zukunftsbranche Schub verleihen.

Etwas hat die Swiss Game Developers Association (SGDA) durch die Unterstützung der Initiative bereits erreicht: „Weil wir das Projekt mitlanciert haben, erhält die Schweizer Gamebranche Aufmerksamkeit“, so Reto Senn, Direktor der SGDA und CEO von Bitforge. Der Weg ist also das Ziel? Reto Senn lacht und sagt: „Ja, aber natürlich wollen wir das eigentliche Ziel der Unterschriften schon erreichen.“ Die Rede ist von den 6000 Unterschriften, die das Initiativkomitee in den kommenden sechs Monaten sammeln muss.

Reto Senn ist seit über zehn Jahren im Gewerbe. Der 36-jährige Gameentwickler und seine Branchengenossen hätten damals sehr von so einer Initiative profitiert, hätte man sie damals schon lanciert. Vor allem kleinere Entwickler hätten durch finanzielle Unterstützung mehr Möglichkeit für Eigenproduktionen. „Aufträge und Eigenproduktionen lassen sich schlecht mischen: Da Aufträge mehr Geld einbringen, konzentrieren wir uns in erster Linie auf diese. So bleibt nicht viel Platz für eigene Ideen.“

Reto Senn, Direktor der SGDA

Staatliche Förderung gäbe den Gameentwicklern also mehr Platz für Kreativität und vor allem die Chance, Ideen schneller umzusetzen. Denn: Die Konkurrenz schläft nicht. Wenn man jahrelang an der Umsetzung einer neuen Idee arbeite, sei sie beim Markteinstieg unter Umständen grafisch bereits veraltet.

Indem die SGDA in diesem Projekt mitmischt, zeigt sie der Öffentlichkeit, dass der Gamesektor wirtschaftlich wie kulturell an Relevanz gewinnt. Vorher seien die Leute kaum darauf gekommen. Auch die Wirtschaftsförderung sah vor ein paar Jahren noch kein Potential in Games: Dies entwickle sich allerdings seit einigen Jahren in eine erfreuliche Richtung für die Gameentwicklerszene.

Warum wird die Gameförderung aber im gleichen Zuge wie jene der Filmbranche gefordert? „Filmer brauchen die Gamebranche. Gerade bei der Animationsfilmbranche zeigen sich viele Überschneidungen“, erklärt Reto Senn. Es habe Technologien gegeben, die geteilt wurden, interaktive Formate seien heute wichtiger denn je. So beeinflussen sich Game- und Filmbranche gegenseitig, sind gleichzeitig aufeinander angewiesen.

Doris Fiala: „Games als Weiterentwicklung des Films“

Das Initiativkomitee der Film-, Game- und Medieninitiative ist politisch breit gefächert. Politikinnen und Politiker aus bürgerlichen wie linken Parteien sind darin vertreten. So auch FDP-Nationalrätin Doris Fiala, welche unter anderem durch ihre Tätigkeit in der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur in der Filmbranche verwurzelt ist.

Doris Fiala. Foto: ZVG

Frau Fiala, welche Bedeutung hat die Gamebranche für Sie?

Doris Fiala: Games sind eine Weiterentwicklung des Films. Ich finde, gerade in unserem digitalen Zeitalter nimmt diese junge Branche eine immer wichtigere Rolle ein.

Gamen Sie selbst?

Nein, ich bin dafür ein riesiger Film- und Opern-Fan. Die Gameindustrie ist vor allem für die junge Generation ein zentraler Sektor.

Warum ist der Film wichtig für die Schweiz?

Der Film transportiert Emotionen ins Ausland. Audiovisuelle Medien generieren Stimmungsbilder der Schweiz. Man kann die Filmbranche daher auch als Identität einer Nation benennen.

Welche Art von Film muss speziell gefördert werden?

Zum Beispiel „Der Verdingbub“ oder „Die Demokratie ist los!“. Für mich sind beide sehr wichtige, generationsnahe Zeitdokumente mit sehr anspruchsvoller Umsetzung. Sie nehmen eine aufklärende Funktion ein und sollten aus meiner Sicht auf jeder Schule gezeigt werden.

Was hält ihre Partei von Ihrem Mitwirken an der Initiative?

Die FDP-Verantwortlichen im Kanton Zürich habe ich natürlich vorgängig über mein Engagement informiert. Freisinnige stehen der Kultur sehr nahe, die Frage ist aber immer, wie viel "Staat" es sein darf. Ich meine aber, der Markt allein (gerade in einer mehrsprachigen Schweiz!) kann das gar nicht tragen. Filmförderung ist auch für die Kohäsion des Landes bedeutungsvoll und verdient eine umfassende Diskussion rund um die Finanzierungsfrage. Die Volksinitiative lässt den Betrag ja explizit offen, will aber die Bedeutung festschreiben.

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