Es ging mal um Liebe

Kapitalismuskritiker verpönen den 14. Februar als reine Geldmacherei für Floristen und Juweliere, aber das war nicht immer so. Warum es am Valentinstag tatsächlich mal um Liebe ging.

Blumen, Pralinen, Gedichte und leicht aufgesetzte Liebesbeweise, am Valentinstag für viele Liebenden ein Muss. Nur wenige wissen, worauf der, mittlerweile schon fast als selbstverständlich betrachtete Brauch des Valentinstags zurückzuführen ist. So forciert er für manche heute auch wirkt, es ist ein altes Fest. Das Datum des 14. Februar gewann erstmals im angelsächsischen Sprachraum an Popularität, als der englische Schriftsteller Geoffrey Chaucer zwischen 1374 und 1380 vermutlich aus Anlass einer Valentinsfeier am Hof König Richards II., erstmals sein Gedicht "Parlament der Vögel" öffentlich vortrug. In einer allegorischen Dichtung stellt Chaucer dar, wie sich die Vögel zu eben diesem Feiertag um die traumschöne Göttin Natur, Statthalterin des Allmächtigen, versammeln, damit jeder einen Partner finde, es lässt sich leicht folgern, dass Chaucer mit den Tieren die Menschen meint. Seit daher gilt das Gedicht als die "Urschrift" des Valentinstags und als das früheste literarische Zeugnis dafür, dass der heilige Valentin und die Paarung der Vögel auf geheimnisvolle Weise zusammenhängen.

"Parlament der Vögel" und andere verwandte Texte verweisen darauf hin, dass der Tag der Verliebten zunächst in höfischen Kreisen gefeiert wurde. Schon bald entstand jedoch ein Brauch, der sich im Laufe der Zeit weiter ausbreitete. Im Spätmittelalter galt der Valentinstag auch als Lostag: Am Vorabend des Valentinstag oder am 14. Februar selbst wählten sich unverheiratete junge Männer eine "Valentine", indem jeder aus einem Gefäss einen Loszettel zog, auf dem der Name einer ebenfalls ledigen Dame stand. Mit dieser durfte der Gentleman sich dann, für ein Jahr, freundschaftlich verbinden. Blumen, Gedichte, kleine Geschenke und gemeinsame Spaziergänge vertieften die Beziehung, eventuell kam es auch zur Verlobung. Englische Emigranten nahmen diesen Brauch mit in die Vereinigten Staaten, so kam der Valentinstag durch US-Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg nach Mitteleuropa, wo der 14. Februar zuvor als der Geburtstag von Judas und folglich als Unglückstag betrachtet wurde. Unterdessen prägte Chaucers Gedicht in England noch manch andere Dichter - William Shakespeare, Thomas Nashe, John Donne, John Gay- welche den Valentinstag zelebrierten und priesen.

Frühlingserwachen

Es gibt viele Legenden um das Valentinsfest, die Valentinsbriefchen und die Geburtsstunde des Brauchs. Dabei ist nicht mal wirklich geklärt, wer Valentin eigentlich war. Der Tag selbst, soll einem Mann dieses Namens (Valentin von Terni) geweiht sein, der Bischof der italienischen Provinz Terni gewesen sein soll und heimlich, gegen den strengen Befehl des Kaiser Marcus Aurelius Claudius Goticus junge Liebespaare christlich traute. Dabei soll er den verheirateten Paaren auch Blumen aus seinem Garten geschenkt haben. Die Ehen, die von ihm geschlossen wurden, standen der Überlieferung nach unter einem guten Stern. Auf Befehl des Kaisers wurde er am 14. Februar 269 wegen seines christlichen Glaubens enthauptet.

Manche Historiker vermuten überdies, der Valentinstag gehe auf ein Fest zu Ehren der Göttin Juno zurück oder auf römische Fruchtbarkeitsriten. Eine alte Sage in Indien berichtet sogar, dass am 7., am 14. und am 21. Februar drei Tropfen vom Himmel fallen, die den Frühling ankündigen, in einem deutschen Handbuch heisst es sogar der Valentinstag sei der Tag "„an dem die Geschlechtslust in allen Kreaturen wieder erwacht“. So soll der Valentinstag den Winter verabschieden und Frühlingsgefühle erwecken. Hierzulande vielleicht etwas früh, fielen doch kürzlich gerade noch die Schneeflocken vom Himmel.

Heute ist der Valentinstag eher durch die vor dem 14. Februar verstärkt einsetzende Werbung der Floristen und der Süsswarenindustrie bekannt, doch eigentlich liegen dahinter viel mehr Liebesgefühle und Liebesbräuche als man so mal annehmen könnte. Wer sich also von Frauchen etwas gezwungen fühlt dem Rausch des Konsumdrucks nachzugehen, weil sie sich sonst womöglich nicht genug geliebt fühlt, der sollte heute kein schlechtes Gewissen haben. Denn es ging ja mal um Liebe.

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