Dog Men

Das Science-Fiction Märchen “Dog Men”, von Mirko und Dario Bischofberger, feiert nächsten Donnerstag im Riffraff Premiere. Wir haben uns das endzeitliche Schwarz-Weiss-Spektakel der Schweizer Filmemacher bereits angeschaut.

Dog Men. Hundemenschen. Soll in diesem Film heissen: Mensch isst Hund. Mensch ist aber auch schon fast selbst Hund. Der Filmtitel bringt den Kern der Filmhandlung also ohne Umschweife auf den Punkt. Die Bischofberger-Brüder zeichnen mit ihrem „Dog Men“ eine Zukunftsvision, die die letzten überlebenden Menschen wie Hunde röcheln lässt, die Charakteren aber gleichzeitig auch auf die Jagd nach ihnen schickt. Gleichzeitig sind auch sie Gejagte, und befinden sich so in einem Katz und Maus Spiel bei dem es um die Existenz geht. Der schiere Überlebenskampf der „Humanoids“ – Homo sapiens war nämlich gestern – trägt sich in einer kargen Mondlandschaft aus, was die vorherrschende Trostlosigkeit in dieser ausgestorbenen Welt betont. Kargheit ist auch beim Dialog das treffende Stichwort. Dialog ist in „Dog Men“ nämlich so gut wie nicht vorhanden. Und wenn die Film-Charakteren mal nicht schwer am atmen sind, dann reden sie Polnisch, was für viele wohl genauso nichtssagend bleibt wie das sonstige Stummsein.

Sowieso wird in diesem Film eigentlich am meisten ausserhalb der Handlung gesagt, nämlich in den ausführlich eingespielten Filmaufzeichnungen, wie dem alten Dokumentarfilm „Africa Speaks“ von 1930. Diesen Wechsel im Medium empfand ich einerseits als willkommene Abwechslung zum teilweise zähen Plot, andererseits hebt er den speziellen Charakter des neuen Schweizer Films weiter hervor. Denn meiner Meinung nach ist „Dog Men“ ein Gesamtkunstwerk, das in seiner Vielschichtigkeit ein äusserst nachhaltiges Filmerlebnis schafft. So klang zum Beispiel die eingängige Filmmusik, die sozusagen vom Vorspann an den Herzschlag des Filmes aufnimmt, noch lange nach der Filmvorführung in mir nach. Auch das vorgängig erwähnte animalische Röcheln der Filmfiguren hat einen ziemlich unheimlichen Effekt und löst somit folgende existentielle Fragen aus: Werden wir Menschen in der Not und dem Kampf um die Existenz alle irgendwann wieder zu Tieren? Lösen sich unsere Gesellschaftsformen letztendlich auf und vertrauen wir nur mehr auf unsere Urinstinkte? Die Antwort von Mirko und Dario Bischofberger, die gleichzeitig Drehbuchautoren und Regisseure von „Dog Men“ sind, scheint eindeutig. Und die düstere Art, wie ihr Film diese Fragen bejaht, verleiht zusätzlichen Nachdruck.

Wer also bei einem Kinobesuch kurzweilige und seichte Unterhaltung sucht, sollte wohl nicht unbedingt auf dieses schweizerische Filmjuwel setzen. In der kahlen Zukunftsvision der Bischofbergers ist nämlich weder Platz für Romantik noch irgendwelchen Banalitäten. „Dog Men“ untersucht das Ursprüngliche des Menschen fern von jeglichem Überfluss, wie wir ihn heute nur zu gut kennen. Dazu passt, dass die Filmtechniken nur sparsam eingesetzt werden, und viel mehr dem Moment an sich, eine Geste oder die Nahaufnahme eines Gesichts, Ausdruck verleiht wird. Der fehlende Dialog, die treibende Filmmusik sowie die minutenlangen Szenenaufnahmen werden zudem als passende Stilmittel eingesetzt. Weniger ist hier definitiv mehr, und diese erdrückende Leere lässt einem so schnell auch nicht wieder los.

  • Der Film "Dog Men" läuft ab Donnerstag, 20. August täglich im Kino Riffraff in Zürich-West.

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