Die selbsternannte "Wellness Revolution"

Das Wellnesslabel Lolë bietet wöchentlich gratis Yoga, NIA oder Cardiopilates im Viadukt an. Ein nicht ganz selbstloses Verdienst für die Öffentlichkeit.

Gratis Yoga im Viadukt? Da muss ich unbedingt hin, dachte ich, als mir eine Freundin davon erzählte... Ich bin eine Stunde zu früh und habe meine Yoga-Matte nicht dabei. Kein Problem, meint Cornelia, Angestellte bei Lolë. Die Matten werden vom Label zur Verfügung gestellt. Und als Überbrückung kann ich ja einen Kaffee im Restaurant im Viadukt nebenan nehmen. Eine Stunde später bin ich mit meinem Yogaoutfit ausgerüstet wieder im Laden.

YOGA für alle

Ich stehe auf meiner gelben Lolë-Matte und schaue mich um. Die zur Josefswiese gerichtete Fensterwand ist von oben bis unten mit Pflanzen behangen. Das Licht ist gelb, die Atmosphäre warm und gemütlich. Die anderen Yoginis trudeln ein, alle begrüssen sich freundlich. Eine nette Truppe.

eine tolle Pflanzenwand...

Die Stunde beginnt. Unsere Yogalehrerin Sabrina verfolgt einen sehr meditativen Ansatz. Wir sitzen fast zehn Minuten, bis wir mit den physischen Übungen anfangen. Ich bin kribbelig und hätte mich gerne ein bisschen intensiver bewegt. Aber ich schätze es, dass Sabrina keine Fitnessstunde abhält. Sie versucht, das eigentliche Ziel von Yoga zu vermitteln: sich zu entspannen und ein Gefühl für den eigenen Körper zu entwickeln.

Die Lehrer wechseln jede Woche ab, und neben Yoga wird auch NIA oder Pilates unterrichtet. Für Yoginis, die intensiver in die Praxis wollen, sind die Lolë Gratisstunden nicht das Richtige. Für Leute, die ab und zu mal ihren Körper wieder stretchen, nach der Arbeit etwas herunterfahren wollen oder auch einfach kein Geld für reguläre Klassen haben, ist es sicherlich ein gutes Angebot.

in der Position des Kindes

Die "Wellness REvolution"

Lolë steht für „live out loud everyday“. Das Werbekonzept des kanadischen Labels ist raffiniert. Denn Lolë ist primär ein Geschäft für Sportkleider, das mit Yogakursen auf seine Artikel aufmerksam macht. Werbung und Service an die Gemeinschaft in einem. Als sich die Teilnehmer im Laden umschauen und Kleider anprobieren, merke ich, wie gut das Konzept funktionert. Und auch ich verliebe mich in ein Zafu-Meditationskissen, das 75 Franken kostet. Vor Ort funktioniert die Werbung. Wie sieht es im Print aus? Die ausschliesslich auf weibliche Kundschaft ausgerichtete Kleidermarke verkauft sich als authentisch, umweltfreundlich, gemeinnützig. Und geht noch einen Schritt weiter. Im Katalog wird Lolë als Teil einer Befreiungsbewegung inszeniert. Nach der Bankenkrise, nach dem Krieg, nach der Armut folgt „THE WELLNESS REVOLUTION“. Ein dramatischer Aufbau, Wellness und Yoga als Eintrittskarten ins neue, spirituelle Zeitalter. Und Lolë ist mittendrin.

Cornelia (Verkäuferin) und Sabrina (Yogalehrerin)

Social Responsibility und "Kosum mit Herzen"

Bernard Mariette, ehemaliger Präsident vom Sportlabel Quicksilver und seit 2009 CEO von Lolë, führt die Befreiungsmission an. Zu diesem Zweck hat das Label den blumigen Begriff „Konsum mit Herzen“ entworfen. Neben den gratis Yogastunden von Lolë, die weltweit angeboten werden, hat Mariette auch „Yellow Label Lolë“ aufgezogen. Ein Service, bei dem man seine alten Wintermäntel an die Marke weggeben kann und dafür einen Gutschein erhält. Lolë wiederum verkauft den Mantel und spendet den Erlös an städtische Essensausgabestellen. Daneben werden jährlich „White Session Tours“ durchgeführt. Massenveranstaltungen, in denen Yoga-Gurus wie Rockstars auf einer Bühne die in weiss gekleideten Anhänger unterrichten. Selbstverständlich sind alle Teilnehmer mit den Kleidern des Labels ausgestattet.

Abbildung aus dem Lolë-Katalog: Rockstar-Yoga

Menschen zu Konsum und gleichzeitig zu mehr sozialem Bewusstsein anzuregen ist Trend. Hier reitet Lolë ganz oben auf der Welle mit. So ausgeklügelt und manipulierend die Werbekonzepte sind, der Trend hat durchaus auch sein Gutes – wenn Konsum der Öffentlichkeit nützt. Und da ist man bei Lolë gut bedient. Man kann sein Konsumbedürfnis ausleben, macht aber gleichzeitig auch was für seinen Körper und für seinen Geist.

Ich mag den Laden, ich mag die grüne Pflanzenwand und man fühlt sich wohl, wenn man den Laden betritt. Und trotz des sehr übertriebenen Marketings ist der neue Ansatz – Communityservice statt Anzeigen auf Facebook oder auf 20 Minuten – durchaus reizvoll.

Den Plan für die Yoga-stunden bei Lolë findet man auf Facebook oder auf der Viadukt-Seite (linke Spalte).

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