Die kahle Sängerin

Stellen Sie sich vor, Sie bekommen einen Einblick in die intellektuellste und hipster-mässigste Wohngemeinschaft in Zürich, in der ein Gespräch der zwei Bewohner bei einem langweiligen Bericht über versalzene Suppe beginnt, um mit einem dialektischen Gespräch über Bobby Watson, Ehemann respektive Ehefrau von Bobby Watson und Vater und Mutter von Bobby und Bobby Watson, zu enden.

In dieser Szenerie tauchen zwei Gäste auf, die sich nicht erinnern können, sich je gesehen zu haben und die doch sonderbarer- und merkwürdigerweise im sel- ben Bett schlafen. Diese komplizierte Lage kann nur der Kuckuck aus der eng- lischsten aller englischen Wanduhren klären.

Diese vier Figuren treffen aufeinander und lernen sich näher kennen, bis ein my- steriöses Klingeln an der Tür das Eis bricht. Es ist niemand anderes als der be- liebte Feuerwehrhauptmann. Er löscht kein Feuer, son- dern bringt scheinbar para- doxe Anekdoten zum Besten.

Die nun folgende Diskussion nimmt immer groteskere Züge an, bis alle ihren wahren Gefühlen freien Lauf lassen und ein anar- chistisches und befreien- des Chaos einen Ausweg aus der verzwickten Situation bieten könnte.

Eugène Ionescos Werk „Die kah- le Sängerin“ wurde im Mai 1950 uraufgeführt. Ionesco schrieb dieses Stück, nachdem er sich mit einem Englischlehrmittel auseinandergesetzt hatte. Ionesco übernimmt den Gestus der Beispielsätze in die- sem Lehrmittel, deren in- haltlicher Sinn nicht gera- de hochstehend genannt werden kann und lässt seine Akteure in sinnbefreiten Worthülsen kommunizieren. Die dadurch entstehende Absurdität wird allerdings von allen gutge- heissen und wir als Zuschauer wissen nicht, ob nur wir die Personen auf der Bühne nicht verstehen.

Umsetzung und Interpretation

Während Ionesco seinerzeit die Korrektheit der engli- schen Gesellschaft belächel- te, nehmen wir den Übereifer sorgenfreier, egozentrischer Studenten auf den Arm. Sie sprechen klüger, als sie sind und verstehen weniger, als sie zugeben können. Die Gespräche haben beinahe et- was choreografiertes und die Form wird von allen einge- halten, denn keiner will zu- geben, dass er nicht mehr mitkommt.

Crew

DAS KALKÜL ist ein 2011 gegründe- tes, freischaffendes Schauspieler- kollektiv bestehend aus sechs jun- gen Theaterschaffenden im Alter von 20 bis 30 Jahren. Die Mitglieder lernten sich bei Projekten am Jungen Schauspielhaus Zürich und der Zürcher Hochschule der Künste kennen und können nun auf eine langjährige Zusammenarbeit zu- rückblicken.

Im Mittelpunkt steht die eigenständige Ent- wicklung und Ausfüh- rung eigener Projek- te und das Erarbeiten von Auftragsstücken ohne institutionelle Grenzen.

Speziell am DAS KALKÜL ist, dass alle Beteiligten gleichberechtigt sind und jede Entscheidung von allen getragen wird. Eine strik- te Aufgabenteilung gibt es nicht. Das heisst, je- der in der Gruppe hat in allen Bereichen ein vol- les Mitspracherecht, in der Entwicklung der Stücke sowie auch in Bezug auf die Technik, die Werbung, Requisite, Musik und so weiter.

www.daskalkul.ch

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