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Die Schweizer Filmemacherin Talkhon Hamzavi steht mit ihrem Kurzfilm „Parvaneh“ auf der Liste der Nominierten für einen Oscar. Es ist nicht die erste Auszeichnung für ihren Film, welcher mit einem starken Script überzeugt. Eine Geschichte inspiriert durch ihr eigenes Leben- vom Iran in die Schweiz.

Bald glänzt und glitzert es wieder, auf dem grossen, roten Teppich. Am 22. Februar werden in Hollywood, Los Angeles zum 87-igsten Mal die Academy Awards verliehen. Diesen Donnerstag gab die Jury die Nominationen für den Oscar 2015 bekannt.

Mit dabei ist auch ein Schweizer Beitrag von der Zürcher Hochschule der Künste. Der Diplomfilm von Talkhon Hamzavi mit dem Namen „Parvaneh“, ist einer der fünf nominierten in der Kategorie Best Live Action Short Film. Die Academy Awards werden jährlich in rund zwei Dutzend Kategorien vergeben. In dieser Kategorie gab es über 140 Bewerbungen.

Eine berührende Geschichte

Mit dem Film „Parvaneh“ schloss die 1979 in Teheran geborene und in der Schweiz aufgewachsene Filmemacherin 2012 ihr Masterstudium Film an der ZHdK ab. Der Kurzfilm zeigt eine Momentaufnahme eines fiktiven Flüchtlingsschicksals in der Schweiz. Parvaneh ist eine junge afghanische Migrantin, die in einem Durchgangszentrum in den Schweizer Bergen lebt. Das einzige, was sie von der Schweiz kennt, sind die ländliche Region und das Wohnheim. Als sie per Telefon vom Gesundheitszustand ihres Vaters erfährt, will sie zum ersten Mal in die Stadt, um ihr mühsam erspartes Geld in ihre Heimat zu schicken. In Zürich angekommen, ist Parvaneh überfordert von der Hektik der Grossstadt, dem Schillern der Werbetafeln, dem Rattern der Trams. Da Parvaneh keinen gültigen Ausweis besitzt, kann sie das Geld nicht überweisen. Einzig ein Punkmädchen erklärt sich bereit, ihr zu helfen. In einem halben Tag und einer Nacht, entsteht eine einzigartige Freundschaft.

Parvaneh am Zürcher Hauptbahnhof

Die Ideen für ihren Film, sammelte die Regisseurin in ihrem Alltag. Impulse kommen von überall. So erzählt sie gegenüber dem Zürcher Tagblatt: „Ich gehe sehr aufmerksam durch die Welt, denke sehr viel nach und habe ein Gespür für Menschen.“ Inspiriert wurde Hamzavi wohl auch durch ihr eigenes Leben. Sie wurde in einer Künstlerfamilie gross. Ihr Vater war lange als Animationsfilmer tätig. Heute arbeitet er als Airbrush-Künstler. Ihre Mutter ist Kunstmalerin. Das kreative Umfeld hat Talkhon Hamzavi seit ihrer Kindheit geprägt.

Als sie sieben Jahre alt war, zog die Familie aus dem Iran in die Schweiz. „Ich wurde plötzlich aus einer vertrauten Welt gerissen. Es war wie ein Traum, alles sehr unwirklich“, sagt sie gegenüber dem Migros Magazin. Doch dies sei schon lange her. Anders als Parvaneh im Film hatte die kleine Tali, wie sie sich selber nennt, da sich hier niemand diesen Namen merken kann, kaum Probleme, sich zu integrieren. „Ich fühlte mich nie als Aussenseiterin.“

Die Krone der Auszeichnungen

Diese prestigeträchtige Nominierung ist der Höhepunkt auf einer eindrücklichen Reihe der Karriere dieses Kurzfilms. Er wurde an unzähligen Festivals rund um den Globus gezeigt und mit Auszeichnungen geehrt. Hamzavi durfte bereits im Sommer letzen Jahres, die Bühne des Samuel Goldwyn Theatre in L.A betreten und ihren Studentenoscar entgegen nehmen.

Flirten mit dem goldenen Männchen

„Als ich das E-Mail von der Academy bekam, fühlte es sich surreal an“, erzählt Hamzavi gegenüber dem Tagblatt. Die ZHdK hatte ihren Film eingeschickt, doch sie hatte es fast schon wieder vergessen. Nie hätte sie es für möglich gehalten, dass der Kurzfilm einen Studentenoscar gewinnen würde.

Einige dieser Award-Gewinner, wie Robert Zemeckis oder Spike Lee, entwickelten sich zu bekannten Regisseuren. Denn es handelt sich um eine wichtige Plattform, nicht zuletzt weil die Gewinnerfilme an renommierte Institutionen weltweit verschickt werden.

Nun hat es also zur richtigen Oscar-Nominierung gereicht. Wir drücken ihr die Daumen, dass an der Verleihung nicht nur ihr Kleid auf dem roten Teppich glänzt, sondern auch die goldene Statue, welche sie hoffentlich in ihren Händen hält.

  • daniela graf 12.2.2015 12.10 Uhr

    VIEL GLÜCK !!!!

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