Die Geschichte des ‹Pan di Toni›

Die italienische Bäckerei Caredda an der Josefstrasse ist die Adresse für italienisches Gebäck.

Mein Entscheid stand fest: Der meistgekaufte Weihnachtskuchen Italiens muss ich selbst mal gebacken haben. Nur das richtige Rezept dazu fehlte mir. Ich fragte mich: Wieso nicht gleich direkt beim Panettone Spezialisten nachfragen?

Gesagt, getan. Einen Tag später stand ich im Caredda. Um die Weihnachtszeit herum sind die Wände im regelrecht mit Panettone geschmückt. Fast schon etwas naiv erkundigte ich mich bei der Verkäuferin, wie man den guten traditionellen Panettone produziere. Sie erklärte mir, dass nur der Chef das Rezept kenne und dass er diese Informationen preisgeben würde, bezweifle sie. Das Berufsgeheimnis muss schliesslich sicher bewahrt werden. Die Antwort war für mich plausibel. Ich bedankte mich und stürmte wieder in die Kälte hinaus, ohne Panettone. Mir blieb somit nichts anderes übrig, mich mit anderen Quellen schlau zu machen.

Wenn ich ehrlich bin, ich mag ihn nicht wirklich, den Panettone. Er ist mir von der Konsistenz zu luftig und geschmacklich zu fade, und früher als Kind habe ich mühsam die Rosinen aus dem Kuchen rausgepickt. Heute esse ich sie tapfer mit, wenn’s sein muss. Den Panettone verbinde ich jedoch immer wieder mit weihnachtlichen Kindheitserinnerungen. Für mich als Halbitalienerin gehört der Panettone zu Weihnachten wie das Amen in der Kirche.

Er wurde vor rund 500 Jahren in Mailand erfunden. Rund muss er sein, luftig und süss. Bis zu 50 Euro zahlt man für einen der besten, mit viel Liebe zubereiteten Panettone. Die Basis der Panettoni ist ein Hefegebäck. Die Zutaten Mehl, Milch, Vanillezucker und Eier ergeben den Teig. Das Trockenobst wird am Schluss hinzugefügt. Panetttonebäcker brauchen viel Zeit, rund 24 Stunden. Das liegt daran, dass der Hefeteig viel Zeit zum Aufgehen braucht.

Für meinen selbstgemachten habe ich ein Blogrezept von www.dastrüffelschwein.ch verwendet. Die Leichtigkeit wird mit natürlichen Produkten wohl nur sehr schwer erreichbar sein. Jedoch betrachte ich den erlangten Biss beim Panettone nicht als Qualitätsverlust, im Gegenteil. Ich habe lediglich die Rosinen und die kandierten Früchte weggelassen. Beim Mailänder wird jetzt wohl das Herz weniger hoch schlagen oder gar einen Schlag aussetzen. Panettone ohne Rosinen ist kein Panettone. Wir sprechen wohl eher von einem Pandoro.

Aber nun möchte ich noch zur Entstehungsgeschichte des Panettone etwas mitteilen. Zuverlässige Quellen über seine Entstehungsgeschichte gibt es nicht. Die bekannteste und mit Abstand wohl auch romantischste sei hier aufgeführt. Ugo, Falkner von Ludovico il Moro, schlich sich Nacht für Nacht in eine Bäckerei in der Altstadt Mailands, um dort als Bäckergehilfe einem in Not geratenen Bäcker zu helfen. In Wirklichkeit nahm er jedoch diese nächtlichen Strapazen auf sich, um seiner Angebeteten, der jungen Bäckertochter Adalgisa, näher sein zu können. Der Bäcker Toni war über jede Hilfe dankbar. Doch so sehr sich auch alle bemühten, der erwartete Erfolg blieb aus. Besonders, nachdem in der Nähe eine neue Bäckerei eröffnete.

Aus seiner Verzweiflung heraus stahl Ugo eines Tages zwei Falken seines Herrn und verkaufte sie. Von dem so erworbenen Geld kaufte er Butter und fügte sie ohne das Wissen von Toni dem Brotteig zu, den er jede Nacht vorbereitete. Am Morgen des nächsten Tages sprach sich schnell herum, dass das ‹Pan di Toni› (Brot von Toni) einen ausserordentlichen Geschmack hatte und die Menschen standen Schlange, um es zu erwerben.

Das Brot, dem in der Weihnachtszeit noch Eier, Rosinen und kandierte Früchte zugefügt wurden, wurde ein großer Erfolg. Der Panettone ist entstanden. Die finanzielle Situation Tonis verbesserte sich schlagartig und auch sein Ansehen stieg, so dass der Hochzeit von Ugo und Adalgisa nichts mehr im Weg stand.

Und mit dieser kleinen feinen Geschichte möchte ich allen schöne Weihnachten und ein frohes neues Jahr wünschen. Möge das neue Jahr mit originellen Blogeinträgen weitergehen – Westnetz sei Dank.

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