Der Rhythmus der Stadt

Oliver Scotonis Vision von einem erlebbaren Radio, das die Menschen von Zürich begleitet, ist ein Phänomen. Die etablierten Rundfunk.fm Festivals locken nicht nur Musikfreunde an. Doch auch Projekte wie den „Sender der Künste“ an der ZHdK, lassen hoffen auf mehr Vielfalt in der Radiolandschaft.

Wer beim Autofahren oder zu Hause auf dem Sofa hin und wieder mal Radio hört, ist oft vergeblich auf der Suche nach neuen Musikleckerbissen. Leider ist auch die Radiolandschaft, wie so viele andere Medien, ein Mainstream Produkt unserer Zeit geworden. Keine gewagten instrumentalen Klänge oder neuen experimentellen, akustischen Töne finden Eingang in das Tagesprogramm. Obwohl die Vielfalt der Bands und Musiker sowohl in der Schweiz, als auch international extrem gross und reich ist, werden die selben alten und aktuellen Hits ohne Ende, rauf und runter gespielt. Es ist kaum eine Differenzierung der verschiedenen Radiostationen mehr auszumachen.

Radiogründer Oliver Scotoni

In grösseren Städten wie New York oder London ist in dieser Hinsicht vieles anders. Der Kulturaustausch findet in vielen Bereichen auf einem grossen Niveau statt. So ist auch die Anzahl der unterschiedlichen kleinen Indie-Radiostationen relativ gross. Einheimische Künstler bekommen eine Plattform ihre Musik durchs Radio an die Menschen zu bringen. Und zugleich verbindet der Rhythmus der Musik, eine gemeinsamen Lebensenergie einer Stadt.

Der Status quo der Schweizer Radiolandschaft inspirierte Oliver Scotoni, etwas nach seinem eigenen Gusto zu kreieren. Seine Philosophie war es ein neues, visionäres und modernes Radio zu gründen, in dem vor allem wieder die Musik im Zentrum steht. Seit dem Millenniumsjahr ging das Radio Rundfunk.fm auf Sendung. Während eines Monats im Sommer sendete man jeweils aus unterschiedlichen Lokalitäten in der Stadt Zürich. Schnell wurde der Sound zum angesagten Herzschlag der Stadt. Aus allen Lautsprechern, in den Cafés, Restaurants und Badis am See, klang die Musik.

Festival im Landesmuseum

Seither ist die Hörerschaft ständig gewachsen. Durch die einzigartigen Standorte, an denen man hautnah das Geschehen der DJs miterlebt, entstanden auch die angesagten Rundfunk.fm Festivals und Events. So wurde über die Jahre aus allen möglichen Ecken, sei es im Landesmuseum, der Europaallee oder unserem lieben Geroldsgarten, live gesendet.

Letztes Wochenende fand nun im Quai 61 beim Hafen Enge, eine ganz besondere Eröffnungsparty statt. Seit dem 15. Januar 2015 sendet das Webradio Rundfunk.fm nun 365 Tage im Jahr. Der bunte Mix aus verschiedenen Musikgenres beglückt Zürich ab sofort rund um die Uhr. Bis zum 21. Februar hat Scotoni selbst in die Musikkiste gegriffen. Während drei Monaten hat er über 800 Sets (10‘000 Songs) gemixt und selbst arrangiert, passend auf den Rhythmus eines Tages. Gesendet wird Rundfunk.fm via DAB+ und Webstreaming. Über die gewohnte UKW-Frequenz 87,6 MHz, wird das Programm ausschliesslich zu spezifischen Events ausgestrahlt.

Ein Kompass im Labyrinth der Musik, Sender der Künste

Doch Rundfunk.fm ist nicht alleine, mit dem Versuch etwas Farbe ins Radio zu bringen. So sendeten z.B. Studierende an der ZHdK beim Eingangsbereich im Toni Areal, vor Weihnachten unbekannte Schätze und Perlen der Musikwelt auf 87,8 MHz. „Sender der Künste“, nennt sich das Projekt welches leider nur eine Woche andauerte. Noch ist unklar ob sich auch im nächsten Jahr das Konzept fortsetzt.

Dennoch können wir uns freuen: In Zukunft wird es noch mehr Festivals und Aktionen geben. Rundfunk.fm wird spezielle Freiräume der Stadt besetzen und diese zeitlich begrenzt inszenieren, so z.B. auch ab 2016 im Landesmuseum. Vorher ist das beliebte Festival jedoch diesen Sommer erneut auf dem Gelände zwischen Geroldsgarten und dem Hive zu erleben.

Es ist bereits 15 Jahre her, seit dem Start von Oliver Scotonis eigener Radio-Vision. Grund genug ihn für das „Who is Who Zürich Magazin“ zu nominieren. Wir sind gespannt, wie die Idee, musikalisch den Tag mit qualitativ hochstehender Musik zu modellieren, weiter verläuft und hoffen auf viel sonniges Wetter im Festival Sommer auf dem Geroldsareal.

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