Den Kopf nach unten

Entstehen Nackenschmerzen durch langes Lesen am Handy oder Tablet? Wir haben beim Massagestudio „Art of touch“ im Kreis 5 nachgefragt. Was bedeutet der neue Ausdruck „tech-neck“ und weshalb zieht die Schönheitschirurgie ihren Nutzen aus unserem Blick nach unten?

Die Verbindung zu einem anderen Menschen sind die Augen. Sehen wir uns Werbeplakate oder Familienfotos an, auf denen Menschen zu sehen sind, fällt der Blick zu aller erst immer ins Gesicht und so auch in die Augen. Wir brauchen diesen Kontakt, um die Gefühle eines Anderen in Sekundenschnelle lesen zu können. Natürlich sind es nicht nur die Augen alleine, welche einen ersten Eindruck vermitteln. Genauso wichtig ist die Körperhaltung eines Menschen.

Eine ganz bestimmte Körperhaltung ist mittlerweile immer öfters zu beobachten. Sei es im Bus, Zug oder Tram, auf der Strasse oder im Café: Der Kopf ist gesenkt. Die Aufmerksamkeit des Sitznachbarn ist auf das Tablet, Smartphone oder den Laptop gerichtet. Abgeschottet von der Aussenwelt, konzentriert die Geschehnisse auf dem Bildschirm verfolgend. Was gibt es denn da immer so Spannendes zu sehen? Anscheinend Wichtigeres als das, was um einen herum geschieht.

Dass der Blick auf das Handy unsere Aufmerksamkeit auf die Umgebung einschränkt, scheint logisch. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass wir viel Zeit verbringen mit dem Löschen von Emails und Überprüfen von Nachrichten. Doch dies ist ein anderes Thema. Kehren wir zurück zur Körperhaltung.

Der Druck im Nacken

Immer mehr Menschen leiden unter Nackenschmerzen oder dem sogenannten starren Nacken. Wer häufig am Handy oder Tablet liest, kann durch die angespannte Haltung Schmerzen im Nackenbereich bekommen.

„Nackenverspannungen sind einer der häufigsten Gründe, warum jemand zur Massage kommt“, sagt Martin Bacher. Er führt ein Massagestudio im Kreis 5 an der Josefstrasse, wo er klassische, Sport- bis Thai Massage anbietet. Der Bereich von Nacken, Schulter und Rücken sei für viele Leute ein Problem.

Die meisten Nackenverspannungen kommen eindeutig von einer ungesunden Haltung im Alltag. Längere Arbeit am Schreibtisch vor dem PC kann, Rücken- und Nackenschmerzen auslösen. Dies ist oft der Fall, wenn Arbeitsplätz nicht optimal eingerichtet sind. Wenn der Laptop zu tief unten ist, müssen wir unseren Blick senken. Durch die starre Neigung des Kopfes nach unten, wird die Muskulatur angespannt und ein Ungleichgewicht entsteht.

In der normalen Grundhaltung sitzt der Kopf entspannt auf der Wirbelsäule ohne, dass Muskelkraft nötig wäre. Bei einer unergonomisch Haltung des Kopfes verspannen sich aber die Muskeln im Nacken. Es treten Schmerzen auf, die in Rücken und Kopf ausstrahlen können.

„Mit einem Handy würde ich diese nicht in Verbindung bringen“, meint Bacher. Beim Gehen auf der Strasse sei auch die Nackenmuskulatur automatisch in Bewegung und somit nicht in Gefahr, starr zu werden. Mit einem ähnlichen Effekt könnte man Rückenschmerzen vorbeugen: Anstatt sich auf einen fixen Bürostuhl an den Tisch zu setzen, nimmt man einen Sitzball. Dadurch ist man automatisch gezwungen, ständig in Bewegung zu bleiben, was die Arbeit am Bürotisch wesentlich angenehmer für den Rücken macht. Kurze Pausen, bei denen man sich dehnt und streckt sind enorm wichtig für die Entspannung der Muskeln.

Dennoch ist die gebückte Haltung im Zug am Handy über längere Zeit schädlich für die Nacken- und Rückenmuskulatur. Es wäre übertrieben, wegen dieser Tatsache den Handy und Tablet Konsum zu verwerfen. „Viel wichtiger finde ich das Bewusstsein, dass dies keine gesunde Haltung ist und man sich um mehr Ausgleich im Alltag bemüht.“ Sport und Bewegung sind auch hier das A und O, um einer ungesunden Haltung entgegen zu wirken und die Schultern zu lösen. „Die Massage alleine kann keine Grundhaltungsfehler auskurieren. Es geht vielmehr darum, Spannungen an verschiedenen Stellen im Körper zu lösen“, sagt Martin Bacher.

Tech-Neck

Auch für die Schönheitschirurgie stellt der gesenkte Kopf neue Herausforderungen. „Tech-Neck“, heisst das neue Phänomen aus Amerika, welches seit kurzer Zeit auch bei uns vermehrt zu hören ist. Die Erscheinung von Falten am Hals war bisher ein Fall für Menschen ab dem mittleren Alter. Aber in den letzten 10 Jahren wurde es wegen tech-neck ein Problem für die junge Generation. Es betrifft Personen in einem Alter zwischen 18-39 Jahren, welche durchschnittlich drei verschiedene digitale Geräte besitzen und rund 150 Mal am Tag nach unten schauen! Durch das Abnehmen der Hautelastizität entstehen Falten am Hals, welche sich nicht mehr zurück bilden. Was tun? Da hilft, besonders in Amerika, nur noch der Gang zum Schönheitschirurgen.

Wer nun nach diesem Artikel besorgt seine Blicke nach unten zu zählen beginnt, kann beruhigt sein. Schliesslich fällt der Blick eines jeden Menschen immer zuerst in die Augen des Andern, oder?

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