Déjà-vu-Kunst

Die Grafik14 steht auf dem Programm und die Maag Halle wird einmal mehr zum Eldorado für Grafiker und Kreative. Leider zeigt der Besuch, dass Fortsetzungen nicht nur im Filmbusiness oft schlechter sind als ihre Vorgänger.

Als ich aus der Unterführung vom Bahnhof Hardbrücke, vor dem Prime Tower vorbei, in Richtung Maag Halle laufe, muss ich schmunzeln. Da liegt er wieder, wie im letzten Jahr. Damals habe ich mich lustig über ihn gemacht. Der blaue Empfangsteppich, der die selbsternannte Szenenelite der hiesigen Grafikbranche willkommen heisst. Natürlich geselle ich mich zu dem Publikum und mische mich unters Volk, das sehnsüchtig auf die Türöffnung wartet. Die Grafik14 scheint beliebt zu sein. Kein Wunder, ist sie doch mittlerweile zu einer festen Institution geworden und legt die Qualitätsmesslatte jedes Jahr gewohnt hoch an. Die Ziele der Organisatoren sind klar gesteckt. Sie wollen nicht weniger als zur wichtigsten Werkschau für visuelle Ausdrucksformen werden. Ambitiös aber realistisch; sie sind sicher auf einem guten Weg.

Am Eingang werde ich kurz und knapp begrüsst. Ein klein wenig lächerlich: Der Security-Typ zeigt bereits nach zehn Besuchern, die er reingelassen hat, seine Dominanz. Vor mir fährt eine armförmige Barriere runter. Für meinen Geschmack etwas zu viel des Wichtigtun. Die Halle ist noch leer, niemand drängelt, das muss doch nicht sein. Zweites Ärgernis: Es gibt keine bediente Garderobe mehr. Das mag vielleicht kleinlich klingen, aber solch kleine Details tragen im Endeffekt massgebend zum Gesamtbild bei und lassen es im Schlussfazit womöglich in sich zusammenfallen. Wie dem auch sei, die Temperatur draussen hat mitgespielt und ich brauchte so oder so keine dicke Jacke mitzuschleppen. Aber kümmern wir uns dem zentralen Geschehen: Der schier unendlich kreativen Grafikergüsse an der Ausstellung.

Mehr ist manchmal weniger

120 Aussteller sind dieses Jahr zugegen. Darunter gibt es auch einige Sonderausstellungen, eine davon auch von Brandon Boyd, dem Sänger der Band Incubus. Die Palette ist nicht minder verblüffend, als sie es 2013 war. Alles ist vertreten, von abstrakten Grafikexplosionen und Gamekonzepten über klassische Typografieprojekte und Plakatgestaltungen, bis hin zu Textildesigns und Plastiken, bietet die Ausstellung alles, was das Grafikerherz höher schlagen lässt. In Punkto Vielfältigkeit legt die 2014er-Ausgabe zu. Augenscheinlich sind hierbei die vielen Computer, die im Vorraum zur Halle stehen. Auf ihnen lassen sich kleine, feine Videospiele zocken. Der Trend zeigt ganz klar in Richtung digitaler Kunst. Nicht nur im Gamebereich, sondern auch generell. Viele der Kunstwerke, vielleicht die Meisten, werden am Rechner generiert.

Leider hinterlassen die Exponate keinen so soliden Eindruck wie im letzten Jahr. Die Begeisterung hielt sich oft in Grenzen, als ich durch die mit Styroporboxen gesäumten Pfade schlenderte. Generell sind die ausgestellten Werke fachmännischer Natur und gehören bestimmt mitunter zum besten, was es zumindest schweizweit zu sehen gibt. Doch im Grossen und Ganzen habe ich das Gefühl dass die diesjährige Edition viel weniger Fleisch am Knochen hat, als 2013. Der Gesamteindruck der Werke ist nicht annähernd so bombastisch und umwerfend. Selbstverständlich ist Kunst subjektiv, daher darf über dieses Argument gestritten werden. Was allerdings doch etwas mau ist: Die Aufmachung der Grafik14 gleicht seinem Vorgänger fast bis aufs Haar. Die Aussteller stellen ihre Projekte auf den erwähnten Styroporblöcken zur Schau, am Eingang dürfen Besucher selber kreativ werden, es gibt eine Live-Malecke, eine Bar und einen DJ. Mir ist bewusst, dass die Ausstellung nur kurz in Zürich weilt und dass bewährte Konzepte wiederholt werden aber gerade von einer solch kreativen Veranstaltung hätte ich doch ein wenig mehr Originalität erwartet.

Masse mit Klasse?

Mit gemischten Gefühlen setze ich mich an die Bar. Die Halle hat sich innerhalb einer halben Stunde fast bis zum Bersten gefüllt. Als ich die Besucher beobachte, muss ich ein zweites Mal schmunzeln. Ein interessantes Volk, das sich hier zusammengetan hat. Die flippigen Schleckmichszenis mit perfekt gestylten Bärten, exzentrischem Makeup und der neusten Mode, die noch niemand kennt, geben sich hier ihr Stelldichein. Ich mag die Grafikerszene, lange genug bin ich selbst darin aufgeblüht aber irgendwann ist genug des Guten und ich entscheide mich, von dannen zu ziehen. Mir kommt nochmals mein Garderobendilemma von vorhin in den Sinn und tatsächlich, das kleine Ärgernis wird für mich zum Zünglein an der Waage. Die Grafik14 ist für mich nicht enttäuschend, geht aber über ein Soso-lala nicht hinaus.

Die Werkschau ist gewiss qualitativ hochstehend, mit einigen äusserst talentierten Ausstellern, die man auf dem Radar behalten sollte. Nichtsdestotrotz fehlt ihr das gewisse Extra. Was das genau ist, sollte allerdings jede und jeder für sich selbst herausfinden. Die Ausstellung läuft noch bis zum 16. März in der Maag Halle. Alle wichtigen Infos entnimmt man am einfachsten der Website.

Fotos (c) Marco Peter

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