Das Unsichtbare sichtbar machen

Von allen VBZ-Mitarbeitenden lenkt die Hälfte weder einen Bus oder ein Tram und bleibt so für die Bevölkerung unsichtbar. Um mehr Aufmerksamkeit auf die verschiedenen Berufe bei den Verkehrsbetrieben zu gewinnen, setzt die VBZ mit einer neuen Personalwerbekampagne "unsichtbare Talente" in den Mittelpunkt.

Etwas paradox ist die neue Werbekampagne schon. Sie will unsichtbare Talente unsichtbar machen, um sie dadurch in den Mittelpunkt zu rücken. Auf den ersten flüchtigen Blick wirken die vier Bilder der Kampagne lediglich wie schöne Aufnahmen vertrauter Plätze in der Stadt. Man erkennt die Universität, die Gleisbogenbrücke bei Zürich-West, den Paradeplatz und die Quaibrücke. Man muss schon zwei mal blinzeln, um kleine Unebenheiten im Bild zu entdecken, welche die Silhouette eines Menschen vermuten lassen. Dabei handelt sich nicht um zufällige Menschen, die Model gestanden hätten, sondern um vier VBZ-Mitarbeiter, die explemplarisch für viele wichtige unsichtbare Talente aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen der VBZ stehen.

VBZ- Direktor Heinz Vögeli am Medienanlass im VBZ-Depot Hard.

Bühne der Mobilität

VBZ-Direktor Heinz Vögeli sprach am Medienanlass der VBZ Personalwerbekampagne von einem Theater der Mobilität. Jeden Tag von Morgen früh bis nach Mitternacht bewegen sich rund 2000 Mitarbeiter der VBZ auf der Bühne der Mobilität in den Strassen von Zürich. Fahrer, Billetkontrolleure, Troubleshooters intervenieren in verschiedenen Situationen im Spektakel der Mobilität. Derweilen werden aber etwa 1250 Menschen in dieser Inszenierung nicht wahrgenommen. Das heisst aber nicht, dass es sie nicht gibt. Sie stehen hinter den Kulissen, stellen sicher, dass auf der Bühne alles rund läuft und sind für das Spektakel nicht von minderer Bedeutung, als die sichtbaren Protagonisten.

Werbung trotz Eurokrise

Während Diskussionen um Alterung, Fachkraftmangel und vor allem die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative nur vorübergehend aus den Schlagzeilen verdrängt wurden, kämpft auch die VBZ mit einem hohen Rekrutierungsdruck. Die mögliche Abkühlung der Konjunktur löst den Mangel an Talenten in vielen Berufsgruppen nur kurzfristig. Die Verkehrsbetriebe verfolgen eine Strategie mit zehn Stossrichtungen, um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen. So setzen sie zum Beispiel schon seit Jahren verstärkt auf die Anwerbung von Frauen, immer mehr auf ältere Mitarbeiter und auf Teilzeitarbeit. Gute Anstellungsbedingungen und Perspektiven nützen jedoch wenig, wenn es nicht gelingt Stellensuchende für sich zu gewinnen. Viele Arbeitssuchende bringen die Verkehrsbetriebe bis anhin, ausschliesslich mit Jobs in den Bussen und Tramcockpits in Verbindung. Mit der neuen pointierte Personalwerbung will sich die VBZ, mittels individuellen Geschichten Gehör verschaffen. Damit erhoffen sie sich auf den Arbeitsmarkt interessanter zu werden. Diese Kampagne sei noch eine günstige Investition, erklärte Vögeli im VBZ-Depot Hard: "Wenn kein Geld vorhanden ist, muss man in Kreativität investieren."

Marina Böhm ist seit 2007 Leiterin des Bekleidungsdienst. Auch für sie war es anstrengend stundenlang nur im Blazer bei kalten Temperaturen auszuharren.

Von Peking nach Zürich

Die VBZ will Leute gewinnen, die ihre berufliche Zukunft in ihre Hände legt. Um ihre, im Zürcher Alltag, kaum sichtbaren Mitarbeiter sichtbarer zu machen, liessen sie sich in der neusten Personalwerbekampagne vom chinesischen Künstler Liu Bolin inspirieren. Dieser feiert weltweit grosse Erfolge weil es ihm immer wieder gelingt, durch Ganzkörperbemalung mit dem Hintergrund zu verschmelzen und sich somit praktisch unsichtbar zu machen. Als Kulissen dienen ihm unter anderem Supermarktregale, Graffitis und Gebäude. Bolin fing mit der Reihe "Hiding City" 2005 an, als er nach dem Abriss eines Pekinger Künstlerviertel, sich in der Grossstadt durch Bemalung unsichtbar machte. Gerade dadurch wollte er auf die vom Verschwinden bedrohte Pekinger Kunstszene aufmerksam machen. Mittendrin und doch kaum sichtbar - wie viele VBZ Mitarbeitende. Von diesem Gedanken beflügelt entwickelte die VBZ mit der Werbeagentur Ruf Lanz die neue Kampagne.

Die Künstler Pascal Thalmann, Rainer Kiefer und der Fotograf Rico Rosenberger (v.rechts n. links).

Um in Anlehnung an Liu Bolins Werke kunstvolle Werbesujets zu produzieren, haben die Verkehrsbetriebe den 36-jährigen Künstler Pascal Thalmann ins Boot geholt. Der Zürcher malte schon diverse Kulissen für Theater, Fotoshotings und Filmproduktionen. Kulissen sind seine Spezialität. Aber aus Menschen Kulissen machen? Das machte er zum ersten Mal! "Die Bedingungen waren teilweise ziemlich extrem", verriet der Künstler am Medienanlass. Unermündlich pinselte er bei kühlen Temperaturen die Zürcher Stadtkulissen auf die Kleidung und Gesichter der VBZ-Mitarbeitenden. Weil es schwieriger war und mehr Zeit in Anspruch nahm, als er anfänglich für möglich hielt, bat Thalmann seinen Künstlerfreund Rainer Kiefer für die Bemalungen um Hilfe. "Die Modelle standen mitten im November in leichter Bekleidung bis zu vier Stunden für uns still. Ich war froh, dass die vier so tapfer durchgehalten haben." bedankte sich Thalmann bei den Modellen.

Waren Thalmann und Kiefer erstmal fertig mit bemalen, so wurde das Kunstwerk vom Fotografen Rico Rosenberger verewigt und der Werbeagentur Ruf Lanz weitergereicht. Thalmann ist gespannt, was die Kampagne bei der Bevölkerung auslösen wird. Er selbst fahre eigentlich nie mit der ÖV, meinte Thalmann, aber der Auftrag habe ihn der VBZ näher gebracht.

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