Das letzte Wort beim 2er Tram?

Die neue Linienführung des 2er-Trams beim Bahnhof Altstetten erhitzt die Gemüter im Quartier und die Köpfe im Stadtparlament. Heute findet eine weitere Debatte statt.

«Das ist ja wie auf einer Chilbi in der Innerschweiz», sagte Regierungsrat Ernst Stocker an der ersten Informationsveranstaltung zum neuen 2er-Tram. Die Quartierbewohner waren spürbar aufgebracht über das neue Projekt der Stadt. Stocker war damals auch an der Veranstaltung, weil das Ganze zusammen mit der Limmattalbahn realisiert werden sollte. Doch auch da war Unmut zu spüren – man wolle nicht, dass die Aargauer massenweise ins Quartier strömen. Das war im Juli 2013. Die Limmattalbahn hat unterdessen Grünes Licht erhalten. Bei der Neugestaltung des 2ers stehen die Zeichen nicht gleich gut.

Breite Allianz

Mit dem Tram Zürich-West im Kreis 5 wurde damals der Bahnhof Altstetten Nord ans Zürcher Tramnetz angebunden. Dies soll auch auf der anderen Seite des Bahnhofs geschehen und zwar mit dem 2er-Tram. Die Altstetterstrasse würde in diesem dann zum autofreien Stadtboulevard umgewandelt. Der 2er ergänzte das Angebot der Limmattalbahn, die in ein paar Jahren vom Bahnhof Altstetten durch das Limmattal fahren soll.

So sähe die Autofreie Altstetterstrasse aus

Seit dem, dass die Quartierbevölkerung massiven Gegenwind gegeben hat, sind auch die Politiker wach geworden. Dementsprechend gibt es auch zahlreiche Vorstösse dazu. Ende 2013 reichten dann die Fraktionen der SP, SVP, FDP und CVP gemeinsam eine dringliche Motion ein, die das Projekt begraben soll, auf die der Stadtrat nun eintreten will. In dem Zusammenhang hörte sich die Stadt vorgängig die Anliegen aus der Bevölkerung rund um den Bahnhof Altstetten nochmals an. Damals wurden folgende Empfehlungen an die Stadt ausgearbeitet:

  1. Auf die geplante Verlegung der Tramlinie 2 sei zu verzichten. Es wird empfohlen, die Tramlinie 2 weiterhin über die Badenerstrasse – unter Beibehaltung der Tramhaltestelle Bachmattstrasse – zu führen.
  2. Der geplante Endhalt der Buslinie 31 mit einer Wendeschlaufe über den Altstetterplatz sei abzulehnen. Es wird empfohlen, die Buslinie 31 wie bisher auf der Hohlstrasse bis zum neuen Endhalt Hermetschloo fahren zu lassen.
  3. Die Aufenthaltsqualität in der Altstetterstrasse soll erhöht, die Bedingungen für den Fuss- und Veloverkehr verbessert werden. Die Liegenschaften und Betriebe an der Altstetterstrasse müssten über die Altstetterstrasse mit dem Auto erreichbar bleiben, das gelte auch für Anlieferungen. (Zu dieser Empfehlung liegt eine abweichende Meinung eines Mitglieds der Begleitgruppe «Dialog Altstetten» vor.)
  4. Die Bushaltestellen am Bahnhof Altstetten sollen so angeordnet werden, dass der Zugang zum Bahnhof möglichst kurz und sicher ist.

Auf den ersten Punkt ist die Stadt nun eingetreten.

Die Zug-Passagiere früher abholen

Die Grundidee des Projekts zur Neugestaltung des 2er-Trams wird in der ganzen Stadt verfolgt. Der Hauptbahnhof kommt auf Grund der zunehmenden Pendlerströme immer mehr an die Kapazitätsgrenzen. Auch der Bahnhof Hardbrücke ist jeweils am Morgen und am Abend sehr gut ausgelastet. Die Idee der Stadt: Zugpassagiere früher abholen und damit die grossen Bahnhöfe entlasten. Beim Tram Zürich-West funktioniert dies schon gut. Auf der anderen Seite der Gleise sollte dies eben auch möglich sein. Deshalb lancierte die Stadt, zusammen mit dem Kanton das Projekt zur Neugestaltung der 2er-Linie.

So sähe die neue Tramführung aus

Eine Verkehrsplanerin der VBZ erklären im westnetz.ch-Interview: «Laut Schätzungen der SBB wird am Bahnhof Altstetten alleine das Fahrgastaufkommen bis 2030 um 80% zunehmen.» Ausserdem rechne die Stadt Zürich bis zu diesem Zeitpunkt mit einem Anstieg von 7900 Einwohnern und 4100 Beschäftigten im Quartier. «Mit dem jetzigen ÖV-Angebot wäre dies nicht zu bewältigen.» Auch wenn politisch das Thema begraben wird – das Problem hat Altstetten damit nicht gelöst. Denn die Passagiere werden kommen, ob dies dem Quartier recht ist oder nicht (auch Aargauer werden darunter sein).

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