Petition unter Dach und Fach

Gestern Abend konnten Kantonsrat Angelo Barrile und Alt-Gemeinderätin Katrin Wüthrich ihre Petition, im Namen der SP5 und der über 500 unterzeichnenden Quartierbewohner, dem Tiefbau-Vorsteher Filippo Leutenegger übergeben. Ziel der Petition ist es, den Escher-Wyss-Platz vom Transitraum zum Ort des Verweilens zu wandeln. Deshalb fordern die Bewohner von Zürich-West, dass die Stadt jetzt mit ihnen in den Dialog tritt, um die Verwandlung vom Escher-Wyss-Platz massgeblich voran zu treiben.

Es ist kurz vor 18.15 Uhr, und ich eile schnell von der Treppe runter ins Trockene zum Escher-Wyss-Platz. Auf der Hardbrücke regnet es in Strömen. "Ein Vorteil hat der Escher-Wyss-Platz ja", meint Filippo Leutenegger schmunzelnd, als er in seiner Regenjacke heran eilt, "hier ist es nämlich immer trocken!".

Obwohl die Petitionsübergabe wetterbedingt dann auch eher im kleinen Rahmen verläuft, scheint die Botschaft der Quartierbewohner angekommen zu sein. Sobald die Übergabe nämlich mit einem feierlichen Händedruck besiegelt worden ist, besprechen die beiden Initianten von der SP5, Angelo Barrile und Katrin Wüthrich, mit Filippo Leutenegger, Vorsteher für den Tiefbau Zürich, bereits schon mögliche Nutzungen des zukünftigen Escher-Wyss-Platz. Die beiden freuen sich über die gesammelten Unterschriften, die den Wunsch zur Veränderung seitens der Bewohner von Zürich-West verdeutlichen.

Danach schwingt sich Filippo Leutenegger auf seine Vespa und düst mit den über 500 Unterschriften, und vielen Ideen im Gepäck, los. Zufrieden bleibt Nationalrats-Kandidat Angelo Barrile auf dem überdachten Escher-Wyss-Platz zurück und steht mir gut gelaunt Rede und Antwort.

Der Kantonsrat Angelo Barrile, der im Oktober für den Nationalrat kandidiert

Angelo, gerade eben habt ihr eure Petition mit über 500 Unterschriften an Herrn Leutenegger überreicht. Was erhofft ihr euch denn von dieser Petition?

Da es eine Petition ist, erhoffen wir uns das, was sich das ganze Quartier erhofft: Die Bewohner von Zürich-West haben das Gefühl, dass sie abgeschottet sind vom restlichen Kreis 5. Der Escher-Wyss-Platz ist im Moment eine Barriere: Die Leute steigen hier entweder um oder rennen gehetzt durch. Deshalb besteht der Wunsch, eine Verbindung von Zürich-West zum alten Kreis 5 zu schaffen. Wir möchten, dass der Escher-Wyss-Platz vom „Un-Ort“ zu einem Ort des Verweilens wird. Ausserdem wäre es schön, wenn hier ab und zu etwas Niederschwelliges veranstaltet werden könnte. Dazu gibt es viele Ideen: Ein Flohmarkt, das Ausstellen von Zeichnungen der Schulkinder oder auch wechselnde Kunstaustellungen. Aber dafür braucht es erst einmal einen Grund, überhaupt hier verweilen zu wollen. Deshalb braucht es zuerst sicher einmal einen Kiosk, welcher auch temporär sein kann, und natürlich ein Züri-WC. Das ist das Minimum. Mit der Petition erhoffen wir uns jetzt, dass der Stadtrat merkt, dass die Bewohner vom Kreis 5 eine Änderung möchten. Der Stadtrat bekommt den Auftrag, eine Lösung zu finden, und mit der Quartierbevölkerung zusammen zu diskutieren, was genau ihre Bedürfnisse sind.

In der Petition wird gefordert, dass die lokale Bevölkerung in die Ideenfindung mit einbezogen wird. Habt ihr dafür ein spezielles Komitee gegründet, oder wie stellt ihr euch das Vorgehen konkret vor?

Wir haben den Quartierstammtisch „s’Bescht für Züri-West“, der sich vier Mal im Jahr trifft und bei dem die Anwohner all ihre Ideen mit einbringen können. Unsere Idee wäre aber in diesem Fall vor allem, dass der Stadtradt die Quartierbewohner zum Austausch einlädt. Der Stadtrat ist aufgefordert abzuklären, was gesetzlich möglich ist und wie man dies dann auch umsetzen kann. Wir haben die Petition bewusst sehr offen formuliert, denn uns ist es einfach wichtig, dass wir etwas Neues ermöglichen. Was genau, das steht noch nicht fest. Es könnte auch von der benachbarten ZhdK kommen, oder von den Gewerbetreibenden, aber nur sofern dies von den Quartierbewohnern gewünscht ist. Grundsätzlich sollte es nämlich aus dem Quartier herauskommen. Es muss nichts Definitives sein, doch die Leute im Quartier sollten die Möglichkeit haben den Ort mitzugestalten. Die Leute im Quartier fühlen sich von vielem verdrängt. Jetzt soll der Raum zurückerobert werden, und zwar von unten her.

Wie sieht denn für dich der zukünftige Escher-Wyss-Platz im Idealfall aus?

Meinen Escher-Wyss-Platz kann ich nicht genau beschreiben. Mein Wunsch ist nämlich, dass er jedes Mal wenn ich vorbeikomme ein wenig anders aussieht. Es könnte zum Beispiel einmal ein Flohmarkt hier sein, oder eine Austellung, oder einfach nur ein spontanes Treffen der Quartierbewohner. Es soll hier einfach jedes Mal ein bisschen anders aussehen. Die Hardbrücke ist nun mal da und sie ist Realität, doch das was drunter ist, soll sich aus der Bevölkerung, also aus der Basis heraus, entwickeln. Was auch immer sein wird: Es soll auf keinen Fall irgendwelchen Mehrwert für die Besitzenden, sondern eben für die Bewohner von Zürich-West, bringen.

Titelbild © David Zehnder.

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