Christian Schocher, Filmemacher

Dieses Wochenende feierte der Dokumentarfilm über den Bündner Filmemacher Christian Schocher im Kino Riffraff Premiere. In Anwesenheit des porträtierten Filmemachers sowie der beiden Regisseuren Marcel Bächtiger und Andreas Müller, konnte das Publikum den „grossen Unbekannten des Schweizer Kinos“ und seine Filmwerke in der erfrischenden Dokumentation besser kennenlernen.

Ich muss zugeben, Schochers Filme waren mir vor der Premierenvorführung des neuen Dokumentarfilms „Christian Schocher, Filmemacher“ überhaupt kein Begriff. Den Namen „Schocher“ hatte ich zwar im Zusammenhang mit Kino schon gehört, doch das war auch schon alles. Umso mehr überraschte mich deshalb, was ich in den rund eineinhalb Stunden über den autodidaktischen Filmemacher aus Pontresina erfahren habe. Marcel Bächtiger und Andreas Müller schlagen in ihrem Film gekonnt Brücken zwischen privaten und filmischen Momenten aus Schochers Leben und verbinden dies mit der Aufzeichnung eines Interviews, dass sie mit ihm während drei Tagen im Chalet „Sanssoucis“ aufgenommen haben. Dabei tauchen Müller und Bächtiger sogar ab und zu selber auf der Leinwand auf, weil sie das Gespräch mit Schocher so natürlich abbilden wollen, wie es auch wirklich stattgefunden hat.

Mit diesem puristischen Filmstil gelingt ihnen denn auch eine äusserst intime sowie unaufdringliche Dokumentation. Deren bodenständige Filmtechnik und unaufgeregter Filmschnitt bemerkte auch Thomas Krempke, der am Auftakt des Schocher-Specials die Moderation des Filmgesprächs leitete, das nach der Vorführung über die Bühne ging. Marcel Bächtiger betonte, dass es denn auch keineswegs darum ging, Schochers Stil zu kopieren. Ihr Ziel war es viel mehr, eine Bühne für Schochers experimentierfreudige Filmperlen zu schaffen. Und das ist ihnen durchaus gelungen. In dem aufschlussreichen Dokumentarfilm werden nämlich sowohl der Filmemacher, wie auch seine Werke ins Zentrum gerückt. So wird dem Zuschauer viel wertvolles Filmmaterial geliefert, das laut Bächtiger normalerweise sehr schwierig aufzufinden sei. Die Regisseure haben sich aber genau dieser Aufgabe angenommen, nachdem sie Schochers Meisterwerk „Reisender Krieger“ zum ersten Mal gesehen hatten. Bächtiger erinnert sich noch genau daran: „Ich fühlte mich vor den Kopf gestossen, dass mir zuvor noch niemand von diesem Film erzählt hatte“, sagt er inbrünstig. Was da auf der Leinwand passierte, sei absolut magisch gewesen, so Bächtiger.

Marcel Bächtiger, Christian Schocher und Andreas Müller (v.l. n.r.) stehen dem Moderator Thomas Krempke im Filmgespräch nach der Premierenvorführung Rede und Antwort.

Diese Magie wollten sie niemandem mehr vorenthalten und haben deshalb ihre Dokumentation mit vielen Szenen aus einem Grossteil von Schochers Filmen gespickt. Auch Schocher selbst lobte übrigens am Samstag ihre effektive Auswahl der Filmauschnitte. Das Gesamtpaket überzeugt also auch den Porträtierten, und verdeutlicht indes dessen spontanen Stil, der vielmals auf Improvisation und gesponnene Fiktion setzte. Mit diesen Vorlieben habe er sich auch bewusst vom Kanon der Schweizer Filmemacher distanziert, erklärt Christian Schocher. Denn dieser Kanon habe aus einer Gruppe von introvertierten Filmern bestanden, die überhaupt nicht zugänglich waren für sein experimentelles Filmen. Sie drehten derweil lieber todlangweilige Schweizer Dokumentarfilme über Minderheiten, wettert Schocher im aufgezeichneten Gespräch im „Sanssoucis“ weiter. Dass da eine gewisse Ironie mitschwingt, stellt auch Krempke während der Filmdiskussion fest: Die zwei Jungregisseure seien Schweizer, und er, Schocher, gehöre einer Minderheit an, sagt der Moderator schmunzelnd. Der ganze Saal lacht. Doch der tosende Applaus nach dem Abspann von „Christian Schocher, Filmemacher“ macht einen entscheidenden Unterschied deutlich: Todlangweilig ist dieser Dokumentarfilm keineswegs. Und so bleibt Andreas Mueller und Marcel Bächtiger zu danken, dass sie Christian Schocher in Pontresina aufgesucht haben und so ein bodenständiges und gleichzeitig inspirierendes Porträt über den sympathischen „Dilettanten“ geschaffen haben.

Wer nun, wie ich, Lust auf mehr „gesponnene Fiktion“ Schochers bekommen hat, darf sich auf die kommenden Wochen freuen. Das Filmpodium zeigt nämlich bis Ende September in einer speziellen Filmreihe zu Christian Schocher vier seiner renommiertesten Werke: „Reisender Krieger“, „Lüzzas Walkman“, „Die Kinder von Furna“ und „Das Blut an den Lippen des Liebenden“.

  • Die genauen Spielzeiten der vier Filme von Christian Schocher findet man hier - der Dokumentarfilm "Christian Schocher, Filmemacher" läuft zudem täglich im Kino Riffraff.

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