Bier mit Sti(e)l

Die International Bier Bar mischt seit ihrer Eröffnung im Dezember 2014 die Zürcher Bier- und Barszene auf und versorgt Bierliebhaber mit einem ständig wechselnden Angebot aus Schweizer und ausländischen Craft-Beers. Abgerundet wird diese Vielfalt an Gerstensaft mit einer überschaubaren Auswahl von Wein und anderen Getränken, sowie Käse- und Fleischplättli mit Brot vom Stadtzürcher John Baker.

Als die International Beer Bar letzthin auf Facebook zur vierten Edition ihrer “Meet the Brewer”-Serie einluden, war mir klar, dass ich die viel verheissende Bar nun endlich besuchen musste. Dieses Mal waren die Kleinbrauer der Doppelleu Brauwerkstatt mit verschiedenen Sorten am Zapfhahn. Weil das kultige Winterthurer Bier schon seit längerem die typische Stange Feldschlössen oder Quöllfrisch in meinem Umfeld zu konkurrieren scheint, habe ich es mir nicht lange überlegen müssen und auf ‚Teilnehmen’ gedrückt. So pilgerte ich mit einem Kollegen am besagten Dienstagabend zum neuen Bier-Mekka von Zürich West, das hübsch und ein wenig versteckt an der Luisenstrasse 7 liegt. Das Lokal, das durch sein prominentes Bier-„Menü“ an der Wand hinter der Bar und dem gemütlichen Sitzplatz im rustikalen Kiesgärtchen besticht, war an diesem Abend gut besucht. Mit Glück ergatterten wir jedoch draussen ein Zweiertischchen, das gerade frei wurde und machten es uns gemütlich.

Die beiden Barinhaber, der gebürtige Engländer Mike und sein Schweizer Partner Christian, mischen sich eifrig unter das gemischte Publikum und helfen dem gastierenden Braumeister bei der Degustation. „Eigentlich ist das mein freier Tag", gesteht Mike, als er mir zwei TOGETHER zapft, „jetzt stehe ich halt doch da und habe auch schon ein paar Bierchen probiert." Wie uns der Biermeister Patrick zuvor erklärte, ist dies das neuste Bier der Chopfab-Reihe und in Kollaboration mit dem Schweizer Eishockey Team entstanden. Mit seiner Frische und Leichtigkeit passe es gut zum Sommer und sei idealerweise vor malzigeren, dunkleren Sorten zu geniessen. Meine Begleitung holt uns gleichzeitig zwei IPA bei Patrick, die wir dann anschliessend an unserem Gartensitzplatz degustieren wollen.

Mike, der sympathische "Beer Geek" und Inhaber der International Beer Bar

Ich habe Mike indessen in ein Gespräch neben dem Zapfhahn verwickelt und bekomme meine Fragen sehr ausführlich und offen beantwortet. Dass Mike, auch bekannt als „Cheese Guy“ von der Markthalle, hier seine Lebensberufung gefunden hat, merkt man sofort. Vor sieben Jahren ist Mike in die Schweiz gekommen und hat dann mehrere Jahre mit seiner Schweizer Frau einen Käsestand in der Markthalle vom Viadukt geführt. So ist er sozusagen ein alter Hase in der Food-Szene von Zürich-West und kennt dessen Klientel gut. „Alles Käse“, dachte er sich jedoch nach einer Weile, und hängte mit seiner Trennung auch das Käse-Verkaufen an den Nagel. „Mein Traum etwas im Bereich ‚Food' zu machen, blieb aber bestehen." Vor zwei Jahren hat das Konzept für seine Bar mit dem eingängigen Spitznamen „The International" angefangen Form anzunehmen. Mikes Idee basiert ganz auf dem Vorbild von ähnlichen Bars in England und den USA, wo solche Bier-Bars stark verbreitet sind. So kamen in den ersten Wochen nach der Eröffnung Mitte Dezember denn auch überwiegend Gäste von Übersee, die über Insider Wissen aus dem Internet von der Bier-Oase im Kreis 5 gehört hatten und das International in ihren Weihnachts- und Neujahrsferien besuchten.

Das übergrosse Biermenü ist das Prunkstück und Aushängeschild der International Beer Bar

Obwohl The International in Zürich zurzeit noch ein Geheimtipp zu sein scheint, haben Christian und Mike nichts zu klagen. Sie beide sind überzeugt, dass ihre Bar eine Bereicherung für den Kreis 5 ist. Und das wird ihnen auch immer wieder bestätigt. Eine Gruppe von Schweizer Männern sei zum Beispiel in der Anfangszeit vorbeigekommen und habe ihnen überschwänglich dafür gedankt, genau das zu bieten, wonach sie so lange Zeit gesucht hätten. Auch fühlt sich Mike in seiner Überzeugung jedes Mal auf ein Neues bestärkt, wenn er den Geschmack eines Barbesuchers mit seiner Bierempfehlung trifft oder sogar bekennende „Beer Virgins“, wie er die unerfahrenen BiertrinkerInnen unverblümt bezeichnet, von dem Biergenuss überzeugen kann. Und Genuss ist den beiden charmanten Herren am wichtigsten. Dementsprechend wird hier das Bier immer im Glas serviert. Mike erklärt dazu: „Die Leute geben gerne einmal hundert Franken für eine gute Flasche Wein aus. Wenn es aber ums Bier geht, dann wird nur zu oft einfach eine Stange bestellt. Wir wollen unseren Gästen lehren, Bier wie Wein zu schätzen und dessen Vielfalt kennen zu lernen. Hier können wir das Biererlebnis teilen und Schweizer Kleinbrauereien eine Werbe-Plattform bieten. Das ständig wechselnde Angebot unserer „beers on tap“ macht übrigens den besonderen Reiz aus: wenn ein bisheriger Favorit ausläuft und gerade nicht erhältlich ist, ist man sozusagen gezwungen, ein neues Bier auszuprobieren.“ Schwierig ist die Auswahl allemal; das Bier-Menü schlägt nämlich jede Cocktail-Karte einer üblichen Bar. „Nicht jeder ist ein Bier-Geek und wählt als erstes eines unserer, in der Tat sehr speziellen, Sour-Beers“, sagt Mike schmunzelnd und fügt hinzu: „Erkenne ich den hilflosen Blick zur schwarzen Menütafel hin, versuche ich einzuspringen und den Geschmack des Gastes zu erahnen.“

Das Punk IPA der Brewdog Brewery - unser Verdikt: erfrischend und vielschichtig - das ist wahrer Biergenuss!

Dies gelingt ihm dann schliesslich auch bei uns: Nachdem mein Kollege und ich die verschiedenen Chopfab-Biere probiert haben, bekommen wir von Mike je ein Glas vom schottischen „Punk IPA“ der Brewdog Brewery serviert, das bei ihnen eines der populärsten Pale Ales ist. Und so sitzen also auch wir einen Augenblick später da, das Bierglas prüfend hochgehoben, und riechen am vollmundigen Indian Pale Ale, bevor wir einen ersten Schluck davon nehmen. Das fruchtige Bier, das im Abgang mit einem ausgeprägten Hopfengeschmack überrascht wird sofort zum Favorit des Abends gekürt. Ob es auch im Rennen um das perfekte Sommerbier 2015 macht, ist jedoch noch ungewiss. Auf jeden Fall hat mich die Biervierfalt der International Beer Bar inspiriert, auf die Suche nach dem idealen Frauenbier für diesen Sommer zu gehen. Und mit dem „Meet the Brewer“-Special, an dem drei Brauerinnen am Samstag 23. Mai ihr Ginger Beer aus einer Kollaboration ihrer Kleinbrauereien vorstellen, ist dies vielleicht schon bald gefunden.

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