AUFGETAUCHT AUS DEM ASPHALT

Seit Ende Juni stehen die Viaduktbögen ganz im Zeichen des „Urban Jungles“ und ziehen mit wildwuchernden Pflanzen und Dschungeltieren alle Blicke auf sich. Doch auch anderswo in Zürich-West taucht manchmal ganz unverhofft das Wilde mitten im urbanen Raum auf.

So wacht an der Tram-Haltstelle Quellenstrasse schon seit fast 30 Jahren ein zufriedener Drache über die Stadtsiedlung II, die sich zwischen ihm und der Limmat erstreckt. Wir lassen das Sihl-Ghüür, wie die Drachenskulptur von Peter Meister im Volksmund genannt wird, hier auf Westnetz exklusiv zu Wort kommen:

Gemeisselt in Stein, so sitz’ ich hier,

sehe das kunterbunte Stadtleben vor mir.

Tag für Tag, Stund um Stund’

das Zusehen spielt mir stets ein Lächeln um meinen Mund.

Ich tauche auf aus dem Asphalt,

manchmal aufgeheizt, dann wieder angenehm kalt.

Hier bin ich geboren und werde für immer bleiben,

gespannt beobachte ich das emsige Treiben.

Trotz meiner stattlichen 50 Tonnen bleibe ich für einige verborgen,

zu vertieft sind sie auf ihrem Arbeitsweg in die eigenen Sorgen.

Als Sihl-Ghüür von Zürich-West bin ich bekannt,

auf eine Gräueltat warten denn auch alle ganz gespannt.

Doch der Schein trügt, sowas wird nie passieren,

zu zart mein Gemüt, zu gut meine Manieren.

Kinder mögen mich besonders gern,

ich bin ihr Aussichtsturm, sie sehn auf mir in die Fern’

Doch auch Erwachsene haben manchmal ihren Spass,

so wie da, als eine Gruppe polternder Frauen posierend auf mir sass.

..t

Werde ich es jemals schaffen, alle Blicke auf mich zu ziehen,

ohne dass mir der Steinhauer den feurigen Drachenatem hat verliehen?

Wie dem auch sei, bleibe ich lächelnd geparkt im Abendrot,

als einziger rechtens im Parkverbot.

Karte wird geladen ...

Logo Westnetz