21‘000 auf einen Tätsch

Während in Bern die Bundesratswahlen vonstattengingen, lag die Stadt Zürich am Mittwochmorgen im Dunkeln: Rund 21‘000 Anschlüsse wurden ab 8.15 Uhr nicht mehr mit Strom versorgt, darunter etliche aus Zürich-West. Zum Beispiel der Anschluss des Fernsehsenders TeleZüri, der zu diesem Zeitpunkt live aus Bern sendete.

Ein defekter Isolator hat am Mittwochmorgen in der Mittelspannungs-Schaltanlage des Unterwerks Letten einen Kurzschluss verursacht und die Stromversorgung in den Gebieten Altstadt, Letten, Wipkingen, Escher-Wyss-Platz, Sihlquai, Unterstrass und Höngg lahmgelegt. Das Notfallversorgungsnetz konnte zwar einiges aufheben, es reichte aber nicht für die Kompensation eines dermassen breitflächigen Stromausfalls. Die Anschlüsse wurden schrittweise wieder zugeschaltet, kurz vor Mittag waren alle Anschlüsse wieder mit Strom versorgt.

Unterwerk Letten: Hier liegt die Ursache des Stromausfalls. (Bild: ewz)

Strassenverkehr blockiert

Hunderttausende waren schliesslich von dem Stromausfall betroffen, auch im Strassenverkehr. Dieser wurde wegen dem Ausfall einzelner Tramlinien schwer beeinträchtigt, zudem hatten einzelne Ampeln keinen Strom. Die Tramlinien 4 und 17 waren ganz blockiert, was eine Verspätung verschiedener Linien nach sich zog. „Die Trams fahren wieder! Es ist noch mit Verzögerungen zu rechnen, da die Trams im Moment noch ihren Platz im Netz suchen“, twitterte die VBZ dann kurz vor Mittag, um 11.33 Uhr. Am HB Zürich ging es düster zu und her. Anzeigetafeln funktionierten nicht mehr, Rolltreppen standen still, der Ticketverkauf und die Durchsagen wurden für eine halbe Stunde lahmgelegt. Der Zugverkehr wurde laut der SBB verschont.

Die Linien 4 und 17 waren am Mittwochmorgen blockiert.

Solche Vorfälle seien schwer im Voraus einzuschätzen, sagt Marie Avet, Sprecherin der Elektrizitätswerke Zürich EWZ. Der letzte Fall ereignete sich im März 2013, damals waren rund 3600 Haushalte betroffen, 2000 Personen mussten aus dem Prime Tower evakuiert werden. Im gestrigen Fall sei im Unterwerk Letten eine Rauchentwicklung eingetreten. Dabei sei kein grösserer Schaden im Unterwerk entstanden, das defekte Teil werde ausgewechselt.

Schlechtes Timing für TeleZüri

Am Morgen sitzen die Leute laut Statistiken durchschnittlich weniger oft vor dem Fernseher. Ausgerechnet am Mittwochmorgen schon. Angesichts der Übertragung der Bundesratswahlen in der Hauptstadt ein sehr unpassender Zeitpunkt für einen Stromausfall auf der Fernsehstation. Improvisation war bei TeleZüri gefragt, dessen Zentrale an der Heinrichstrasse im Kreis 5 liegt. Der Standort der Zentrale wurde dem Fernsehsender zum Verhängnis.

"Irgendwie gemütlich heute in der TeleZüri-Redaktion", twitterte TeleZüri-Journalist Luca Laube am Mittwoch um 10.20 Uhr. (Bild: Twitter @lucalaube)

Die Lichter gingen aus, alle Computer kapitulierten, die Server waren down. Fast zwei Stunden konnte TeleZüri nicht senden, die Redaktion war in einem Grossteil ihrer Arbeit blockiert. Die Techniker waren zu diesem Zeitpunkt zum Teil in Bern, zum Teil in Zürich und arbeiteten auf Hochbetrieb.

Mittwoch nachmittags: In der TeleZüri-Redaktion läuft wieder alles.

„Ein solcher Stromausfall ist das Verheerendste, das einem Fernsehsender passieren kann", sagt TalkTäglich-Moderator Oliver Steffen, der den ganzen Mittwoch im Bundeshaus in Bern verbrachte. Dass der Stromausfall ausgerechnet am Wahltag ausgelöst wurde, sei "höhere Gewalt im unglücklichsten Moment". In der über 20-jährigen Geschichte von TeleZüri sei das noch nie passiert, in einer Livesendung stehe man da zusätzlich im wahrsten Sinne unter Strom.

Markus Gilli und Oliver Steffen am Mittwochmorgen, genervt im Bundeshaus: "Wir haben Strom, aber leider nur in Bern" (Bild: Twitter @oliversteffen)

Die Sendung konnte als Notlösung auf TeleM1 umgeschaltet werden, ab 10.00 Uhr lief es bei TeleZüri wieder rund. Danach gab es Signale, dass viele Zuschauer wieder auf TeleZüri umgeschaltet hätten. Dennoch sei ein Grossteil der Zuschauerschaft schliesslich auf anderen Sendern verloren gegangen. Genaue Zahlen sind noch nicht bekannt.

Happy Beck wieder happy

Der Stromausfall hat TeleZüri zu einem wahrlich schlechten Zeitpunkt erwischt. Noch etliche andere Parteien waren davon betroffen, wie beispielsweise das Coop beim Wipkingerplatz, der Kiosk nebenan, die Limmatplatz-Apotheke, die KV Zürich Business School, sowie der Happy Beck, der eine seiner Filialen am Escher-Wyss-Platz hat. Produktion und Verkauf standen im Happy Beck für eineinhalb Stunden still.

Auch in der Küche des Happy Becks beim Escher-Wyss-Platz ging nichts mehr.

„Die Ware im Ofen hat die Temperatur nicht erreicht, an der Kasse ging nichts mehr“, berichtet der Gründer und Inhaber Jakob Aydin gegenüber Westnetz.ch. Dadurch hatte auch der Happy Beck seine Verluste zu decken. Er hatte aber trotz der Umsatzbusse Glück im Unglück: Dank der Sicherungen, die die Geschäftsführung nach dem Ausfall herausnahm, sind keine Geräte oder gar Menschen zu Schaden gekommen.

Jetzt wieder voll in Betrieb: Die Bäckerei Happy.

Einige Haushalte im Quartier wurden ganz verschont und wurden nicht vom Stromausfall überrascht. Dazu gehören beispielsweise der Prime Tower, der Coiffeursalon Valentino oder die Zahnarztklinik Swiss Dental Center. Laut der Stadtpolizei hat der Stromausfall keine Verkehrsunfälle verursacht. Es gab einige Alarmsignale in Banken und Bijouterien, es handelte sich aber bei allen um Fehlalarme, sagte der Sprecher der Stadtpolizei Marco Cortesi auf Anfrage. Der Stromausfall habe eine Flut von Arbeit ausgelöst, konnte aber in Zusammenarbeit mit anderen Blaulichtorganisationen in den Griff gebracht werden.

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