Röhren aus dem Nichts
Bettina Pousttchi bringt Röhren und Kamine an, wo es keine braucht, und greift damit subtil ins Stadtbild ein und schärft damit unseren Blick auf alles, was in der Stadt da ist.
Bettina Pousttchi bringt in Zürich-West Röhren und Schornsteine an, wo sie eigentlich nicht hingehören. Diese Röhren sind umso verstörendeer als sie teilweise eingedrückt sind, sie muten an wie Funktionsträger in der Anonymität der Stadt auf die wir uns - wie auf so vieles keinen Reim machen können - und die vom Tunichtgut dann auch noch malträtiert worden sind, was sie umso bedrohlicher erscheinen lässt, als der öffentliche Raum als ein Ort erscheint, in dem soziale Kontrolle nicht mehr funktioniert und sich Gewalt Banh brechen kann, was wir, als aufmerksame Stadtmenschen ebenso schnell wahrnehmen, wie der Jäger irgendwelche Wildspuren. Dabei lässt sich alles erklräen. Die Funktion der Röhren: Funktional gesehen keine. Ihr Dasiensgrund: Gegenwartskunst. Die Gewaltspuren: Künstlich erzeugte, falsche Spuren. Im Moment, in dem wir das wissen, setzt die Erleuchtung durch die Kunst ein: Was wir sehen, kann dies oder jenes bedeuteh, ersteinmal ist Skepsis am Platz. Urbane Spuren können nicht so einfach gelesen werden wie Hufspuren im Wald: Sie bedeuten entweder Gewalteinwirkung, ein andermal ein Missgeschick beim motorisierten Manövrieren oder aber ein Kuntswek, das etwas nach macht.
Haemmerli


HALT! Falsche Fährte! Nicht alles, was wie bei Pousttchi und Posenenske ein wenig unmotivert aus einer Wand kommt, ist auch ein Pousttchi oder ein Posenenske. Manchmal - wie hier - sieht es nur so aus. Und das ist dann ein Paradebeispiel wie Kunst unsere Wahrnehmung verändert. Anfänglich sehen wir Röhren und denken uns nix. Dann sehen wir Röhren und denken: Aha, Kunst! Ein Pousttchi! Und landen am Schluss dabei, dass Kunst der Massstab der Wirklichkeit wird und wir unseren instruierten Coflaneueren zurufen: Also, die Röhren erinnern mich ja schon sehr an Pousttchi.
Fotos: Werner Mäder
Kurator Doswald erklärt: